Jakob's scheinbare Betrügerei gegen Esau gespöttelt, obwohl jener nur diegeistige Erstgeburt, die dieser verachtet hatte, an sich gebracht hat, und gegendie List bezüglich des Vatersegens hat Jakob sich der Mutter gegenüber ge-sträubt. Man sollte aber die eigene Art der Geschichtserzählung bewundern,daß sie auch das Tadelnswerthe an ihren Helden nicht verschweigt. So decktsie die Unthaten Simeon's und Levi's an den Sichemiten und das VerhältnißJuda's^) zu einer vermeintlichen Tempeldirne ohne Schonung auf. Auch dieEpisoden in der Erzählung des Lebens der Patriarchen, welche die Jkono-klasten'gerade als Interpolationen ansehen, gehören streng zum Ganzen. DasStück von den Nachkommen Nachor's (Gen. 22, 2V fg.) ist angefügt wegenRebekka, die später Isaak zugeführt werden sollte. Auch darin liegt Ethisches,daß auch die zwei letzten Erzväter sich nicht mit den verworfenen TöchternKanaan's verheiratet, sondern ihre Frauen aus Abraham's Familie genommenhaben. Reinheit und Sittlichkeit der Ehe war ihr Hauptstreben. — Die Er-zähluüg von Abraham's zweiter Ehe mit Ketura (25, 1 fg.) wird hervorgehoben,um anzudeuten, daß die Midianiter — denn diese bilden den Mittelpunktin dieser Erzählung — der Stamm, aus dem Mose's SchwiegervaterReuel (Exodus 2, 18), sein Schwager Jethro (das. 3, 1 fg.) und die mit denIsraeliten verbundenen Keniter hervorgingen (Numeri 10, 29; Richter 1, 16u. a. St), daß also die Midianiter ebenfalls von Abraham stammen,eben,o wie Jsmaöl und Edom. Aber sie haben keinen Antheil an der Heils-lehre Abraham's und seiner Nachkommen. Ihnen hat Abraham lediglich irdischeGüter gegeben (Gen. 25, 5). Mehrere Stücke deuten dasselbe an, daß dieunechten Nachkommen Abraham's wohl irdischen Segen hatten, aber nicht dengeistigen. Jsmael kam vor allen seinen Brüdern zu festen Wohn-sitzen (Gen. 25, 18): iwi nnu bo 'w bp; vergl. das. 16, 12: rnu iw bp.
Esau oder Edom hatte bereits einen fruchtbaren Landstrich und auch Könige(Gen. o. 36), ehe die echten Abrahamiden zu Ruhesitzen gelangten; diese mußtenvielmehr lange wandern und wandern, mußten erst durch die Leidensschule gehen,ehe sie das ihnen zugewiesene Land besitzen konnten. Jakob, der Erzvater,klagt über Leiden und Wanderungen (Gen. 47, 9) und Jakob, das Volk,hatte ebenfalls Grund darüber zu klagen. Antithetisch sind daher an-einander gereiht Edom's glückliche, ruhige Tage (Kap. 36) und Jakob'sunstäte Wanderungen (Kap. 37). Wie wenig Sinn für künstlerische Anlageeiner litterarischen Composition verrathen diejenigen, welche diese beiden zu-sammengehörenden Partieen zerreißen, sie verschiedenen Verfassern und Zeitenzuweisen und daraus gar Schlüsse ziehen!
Wenn eine und dieselbe Namengebung bei verschiedenen Gelegenheitenmotivirt wird, so ist das für die Zertrümmerer Grund genug, zweierlei Urkundenund zweierlei Verfasser anzunehmen. So bezüglich Beerseba (Genes. 21, 31und 26, 33) und so in Bezug auf den Namen. Israel (32, 27—28 und 35, 9
i) Es ist eine Albernheit, in der Geschichte von Juda und Thamar eineAnspielung auf David's sträfliches Verhältniß zu Batscheba zu erblicken, weildiese auch xiv nu (nach einer erweichten Aussprache des ch genannt wird, undweil die mit dieser Geschichte gar nicht zusammenhängende kanaanitijche FrauJuda's zufällig eine Tochter Schua's war. Sollte der Verf. einen Makel aufdie Könige vom Hause David's haben werfen wollen? Es ist ungereimt sVgl.die weitere Ausmalung dieser Hirngespinste bei Stade, Gesch. Jsr. I, 158j.Die Thora erzählt auch die Gewaltthat Levi's an den Sichemiten, obwohl seineNachkommen den Priesterstamm bildeten. Liegt auch darin eine tadelnde Tendenz?
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