Note 6.
417
vielmehr als Nachkommen des Brudermörders Kain, die ebenfalls Verderbengebracht haben! Tubalkain-Telchin oder Vulkan hat das menschenverderbendeSchwert erfunden, womit Lemech Männer und Kinder getödtet hat. Jubal istnicht blos der Erfinder der Harfe, sondern auch des onx, der Liebesflöte, derSyrinx, womit Pan die Brunst entzündet. Und die unzüchtige Naamah, dieAphrodite, Urania oder Pandemos, die Beförderin der Prostitution, dieüberall Altäre und Opferung der Jungfräulichkeit hatte (vergl. Preller, das.I. 284 fg.), war als Enkelin Kain's ein Verderben verbreitendes Wesen. Vondiesem Gesichtspunkte aus will die Genesis diese Nachkommen Kain's betrachtetwissen sVgl. Holzinger a. a. O. S 53. öS f.).
Auch alles Folgende hat lediglich einen ethisch-didaktischen Zweck. DieSethiten werden durchaus nicht als ein gerechtes Geschlecht dargestellt; erst Noa,der Nachkomme desselben, wandelte mit Gott, d. h. ließ sich von Gott belehrenund leiten, er vertraute nicht auf seine eigene Einsicht. In den Geschlechternvor Noa kamen vielmehr Frauenraub und die Giganten-Kämpfe vor (6, 1 fg.)
a-h'-o; auf diese Kämpfe spielt Ezechiel an (32, 27): wmra nu wre» ntz,o'm v'rmz ri'no w . . . . (v'rix o'P-u l.) o-bipv L'tzr:, und aus den Sturz derGiganten Hiob (26, 5 u. a. St.). Der Frauenraub, den Phönicier und Griechen,als in uralter Zeit geschehen, einander vorwarfen (Herodot I. I), bringt dieGenesis nach ihrer ethischen Betrachtungsweise mit den Giganten in Verbindung.Erst mit Noa beginnt eine Wendung zum Bessern, mit ihm beginnt die gött-liche Erziehung des Menschengeschlechts durch das Gesetz.
Unbeschadet des ethischen Gesichtspunktes überliefern die Relationen derGenesis auch factische Geschichte. Die Völkertafel ist ein Zeugnib dafür. Einunbefangener, rein ethnographischer Schriftsteller, Joh. Gust. Cuno, bemerktdarüber (Forschungen im Gebiete der alten Völker I. S. 265): „Die Völker-tafel kann in Bezug auf ihren ethnographischen Werth kaum hoch genug gestelltwerden, sie ist aber auch deßwegen so ungemein interessant, weil hier dieGruppirung von Völkern zu Familien in einer Weise stattfindet, wie sie sonstdas ganze Alterthum nicht kennt, wie sie erst unser Jahrhundert mit Hilfe derWissenschaft der Sprachvergleichung wieder durchgesührt hat" sVgl. auch Strack,d. BB. Gen., Ex, Lev. u. Num. (1894), S. 35). So ist die Herkunft derTerachiden von d. h. wie gegenwärtig allgemein angenommen wird,
aus am südlichen Abhange des karduchischen Gebirges, und
ihre Auswanderung von Ur-Kasdim, d. h. von einer Stadt der Kar-duchisr oder Gordyener, unstreitig historisch sVgl. jetzt hierzu die Aus-führungen H ommel's in seinem Buche: „Die altisraelitische Ueberlieferung ininschriftlicher Beleuchtung" (1897), S. 212. 293—297). Denn darüber herrschtdoch wohl kein Zweifel, daß, da Chaldäer und ein und dasselbe Volk
sind, der Lautwechsel nur dadurch erklärt werden kann, wenn man dieGordyener oder Karduchen herbeizieht. Aus oder ist durch denWechsel der Liquiden v in h einerseits, und aus dem ebenso häufigen
Wechsel von i und v andererseits irw geworden. Es ist dis einzig richtigeAbleitung des Namens, welche bereits Golius gemacht hat. Die Identitätvon Gordyenern und Chaldäern ist auch durch Lenophon's Angabe daß dieLetzteren in den karduchischen Gebirgen, im jetzigen Kurdistan, gewohnt haben,gesichert. So viel Gewisses geht doch aus dem dunklen Verse (Jesaia 23, 13)hervor, daß Assyrien zuerst die anew oder Chaldäer in Dienst genommenhat. Dasselbe scheint Nebukadnezar oder schon sein Vater gethan zu habenund dadurch wurde Babylonien, weil seine Kriegsschaaren größtentheils ausGraetz, Geschichte der Juden. II. i. 27