Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
403
Einzelbild herunterladen
 

Seit wann mag die Macht der judäischen Aristokratie welche den König inAbhängigkeit von ihrem Willen gebracht hatte, datiren? Ein bestimmtes Datumliegt nicht vor. Es scheint, daß ihre Omnipotenz unter Jotham bereits einenhohen Grad erreicht hat. Amazia war durch eine Verschwörung umgekommen,und diese war wahrscheinlich von den Aristokraten ausgegangen, wie die, welcheAmon das Leben gekostet hat (Könige II. 21, 23). Usia brachte die letztenJahre seiner Regierung im Aussatzhause zu, während welcher sein Sohn JothamReichsverweser war. Jotham war damals noch jung. Es läßt sich denken, daßdie Aristokratie diese halb königslose Zeit zu ihrer Machtvergiößerung benutzthat. Jotham war kein imposanter Charakter, welcher im Stande gewesen wäre,das Austreten der Aristokraten zu hemmen. Die erste lange Rede Jesaia's(Kap. 25), welche Jotham's Zeit angehört (o. S. 112, N. 2), kämpft bereitsgegen die Macht und den Uebermuth der Aristokraten an (veral. 3, 14 fg).Die Weiber, gegen deren übermäßigen Luxus, Gefallsucht und PantoffslherrschaftJesaia so schneidend losfuhr, waren Aristokratenfranen. Erst von dieser Zeitan, unter Jotham, Achas, Chiskija und bis zu Ende spielen die .ii,m 'iv eineeinflußreiche Rolle. Die Rede Zephanja's, die er während Josia's Minder-jährigkeit gehalten hat, klagt die Fürsten und die Prinzen an, daß sie fremdesWesen und götzendienerische Bräuche eingeführt haben (1, 8): miwi ip mipri

e>wir> mvobi do -str-n 'w. Erst dadurch ist so vieles Räthselhaste inder judäischen Geschichte erklärbar. Es ist wohl Thatsache, daß Chiskija dasGötzenwesen aus dem Lande gewiesen hat, und doch begann es unter seinemSohne Manasse zu wuchern und behauptete sich bis zum 18. Jahre Josia's.Ganz gewiß hat es Manasse selbst nicht wieder eingeführt; denn er war imBeginn seiner Regierung noch ein Knabe. Demnach haben es gewiß lediglichdie Aristokraten eingeführt. Darum wiederholte es sich nach Josia's Tod, undseine Purification wurde ebenso illusorisch wie die Chiskija's. Gegen die Aristo-kraten entbrannte daher ganz besonders der Eifer der Propheten, weil diese inder nachjesaianischen Zeit das Heft in Händen hatten Zuweilen werden sie inder Apostrophe angeführt, wie (Micha 3, 1): rpp> -emi n, iprw oder unter derBenennung iiim zbv nm (Jeremia 2l, II fg.), womit der Hofadel, die Prinzenund die Würdenträger gemeint sind. Aber auch da, wo die Aristokraten nichtausdrücklich genannt sind, galten die Strafreden der Propheten im Allgemeinenlediglich ihnen, weil sie die Tonangeber für die Nachäffung des Fremden, derGötzenkulte und der Modelaster waren.

5 .

Jesaia's Kchule und der Kreis der Anawim?)

Die Thatsache ist noch nicht hervorgehoben, welche für Jesaia's Thätigkeitvon Wichtigkeit ist, daß er einen Jüngerkreis um sich gesammelt hat. Aller-dings liegt dieses Factum nicht so offen, wie bei Samuel, wo von dem bon,und wie bei Elia und Elisa, wo von den om'rri -w historisch erzählt wird.Aber Andeutungen sind genug in Jesaia's prophetischen Reden vorhanden,welche dieses Factum constatiren. Deutlich genug spricht dafür V. 8, 16 iw'Ivbo nun omn .ni,pn, d. h. so viel wie 'i^i> oipr:Binde ein die Warnung und

') fVgl. hierzu des Vf.'sKritischen Commentar zu den Psalmen (Breslau1882/3) I, 2037, bes. S. 27 ff. und das Buch Isidor Loeb'sI-a litstsraturslies Muvrss äan8 In bibls" (karis 1892, 8)