374 Geschichte der Juden.
bleibsel Juda's zu stören. Jsmaäl machte zwar auch seinen Frieden mitGedalja und den Chaldäern und versprach Unterwerfung, hegte aber imtiefen Herzen Groll und Ingrimm gegen Beide. War es Neid, daß er,von königlicher Abkunft, einem ihm nicht ebenbürtigen Statthalter unter-geordnet sein sollte, oder wilder patriotischer Haß gegen die Chaldäer,welche die Herren des Landes waren, oder beides zugleich, das ihm denverruchten Plan eingab, Gedalja aus dem Wege zu räumen? Von Baalis,dem König von Amnion, welchem das Entstehen und Wachsthum einesjudäischen Gemeinwesens unter chaldäischem Schutz zuwider war, wurdeer zu einer Uuthat aufgestachelt, welche diesem ein Ende machen sollte.Die übrigen Hanptleute und besonders Jochanan, Sohn Kareach's, er-hielten indessen geheime Kunde von Jsmaäl's verrätherischem Anschlaggegen Gedalja, machten diesem Mittheilung davon, stellten sich ihm zurVerfügung, ja baten um seine Erlaubniß, den Böses sinnenden aus demWege zu schaffen, damit der allmählich wieder anwachsende Rest Juda'snicht abermals untergehe. Gedalja schenkte aber der Warnung keinenGlauben, sei es, daß er sie als Eingebung der Eifersüchtelei dieser Männergegen ihren ehemaligen Kriegsgenossen hielt, sei es, daß er dem Jsmaälden ihm eidlich verheißenen Schutz nicht auf einen bloßen Verdachthin entziehen wollte, oder auch weil er befürchten mochte dadurcheine Spaltung herbeizuführen.
Gedalja's Gewissenhaftigkeit, mag sie aus Stärke oder Schwächeentsprungen sein, war verhängnißvoll für ihn und für das kaum orga-nisirte Gemeinwesen. Vier Jahre') mögen bereits seit der ZerstörungJerusalem's und der Sammlung der zerstreuten Judäer unter demStatthalter verstrichen gewesen sein, als Jsmaäl mit zehn Begleitern inMizpah zu einer Festversammlung eintraf und eine freundliche Mienegegen Gedalja zeigte. Dieser lud sie zu einem Mahle ein, und währenddesselben, als die Anwesenden, vielleicht vom Weine berauscht, nichtsArges ahnten, zückten Jsmaäl und seine Genossen ihre Schwerter gegenden Statthalter und tödeten ihn und mit ihm auch die anwesendenwaffenfähigen Männer und die Chaldäer^). Die übrigen Leute inMizpah, Greise, Frauen, Kinder und Eunuchen, ließ er durch seine Leuteüberwachen, damit die Unthat nicht ruchbar werde. Da Jsmaäl erfahrenhatte, daß am andern Tage achtzig Männer aus Sichem, Schilo undSamaria in Mizpah zum Feste mit Opfern eintreffen sollten, ging er
') Vgl. Note 10.
-) Das. 40, 13 fg. 41, 1—3. Der allgemein gehaltene Ausdruck V. 3 a
L'-N.I'.N br rm, wird zum Schluffe näher bestimmt: an
Aus demselben V. geht auch hervor, daß auch anwesende Chaldäer er-schlagen wurden.