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Geschichte der Juden.
Das erste Klagelied ist unmittelbar nach der Einnahme Jerusalemsgedichtet. Die Stadt bestand noch, die Mauern, die Paläste, derTempel waren noch nicht zerstört, aber sie waren bereits ihrer Be-wohner und ihrer Freuden beraubt:
„O, wie sitzt sie so einsam die volkreiche Stadt!
„Sie ist einer Wittme gleich geworden.
„Die große unter den Völkern,
„Die Fürstin unter den Ländern„Ist zur Frohnsklavin geworden.
„Sie weint bitterlich in der Nacht,
„Und ihre Thränen auf ihre Wangen.
„Sie hat keinen Tröster unter allen ihren Freunden,
„Alle ihre Genossen haben treulos an ihr gehandelt,
„Sind ihre Feinde geworden!"
Dieses Klagelied beweint am meisten die Verlassenheit Jerusalems;ihr größter Schmerz ist die Treulosigkeit ihrer Bundesgenossen, diejetzt Schadenfreude an ihrem Fall empfinden.
„Zion bricht die Hände, sie hat keine Tröster".
„Höret es alle Völker und sehet meinen Schmerz.
„Meine Jungfrauen und meine Jünglinge sind in Gefangenschaft gewandert.„Ich rief meine Freunde, und sie täuschten mich,
„Meine Priester und Aeltesten vergingen in der Stadt"').
Das zweite Klagelied trauert mehr über die Zerstörung derStadt und der Mauern, ganz besonders aber über den Untergang desHeiligthums.
„O, wie hat der Herr in seinem Zorne die Tochter Zions verwüstet!„Er hat vom Himmel zur Erde Israels Pracht geschleudert,
„Und nicht seines Fußes Schemel gedacht.
„Er hat die Seinigen Alle aufgegeben, sein Heiligthum umgestürzt,„Hat in die Hand der Feinde ihre Burgen und Thürme überliefert,„Sie erhoben im Tempel des Herrn eine Stimme wie an einem
Schlachttag"^).
Das dritte Klagelied bejammert den Untergang alles Edeln durchdie schleichende Hungersnoth und die Hoffnungslosigkeit für den Ueberrestdurch die Gefangennahme des Königs.
gesetzt (V. 4), ebenso des Tempels (V. 10). In 2 dagegen wird über die Zer-störung des Tempels besonders geklagt (V. 1. 2. 6. 7). Kap. 4 klagt nicht mehrüber die Zerstörung, sondern über die Hetzjagd gegen die Flüchtlinge (V. 19),über die Gefangenschaft Zedekia's (V. 20). Kap. 3, das unzweifelhaft Jeremiaangehört, ist noch vor der Zerstörung gedichtet, vgl. o. S. 356, und Klagelied 5gehört in viel spätere Zeit, als bereits Schakale sich auf dem Berge Zion getummelthatten (V. 18). Die Jeremianische Autorschaft der Klagelieder 1, 2, 4 läßt sichweder beweisen, noch durchaus negiren. Nur Kap. 5 kann ihm nicht angehören.
U Klagelied 1, 2. 17 fg.
-) Das. 2, I. 6 fg.