Zerstörung Jerusalems.
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sprach also Manches für die Erhaltung Jerusalems. Auf der andernSeite schien es gefährlich, die rebellische Stadt fortbestehen zu lassen.Wer sollte für ihre Treue in der Zukunft Bürgschaft leisten? DieseBetrachtung überwog, und in Folge dessen sandte Nebukadnezar denObersten seiner Leibwache, Nebusaradan, mit dem Aufträge Jeru-salem zu zerstören. Sofort drängten sich die haßerfüllten idumäischenGroßen an ihn, um ihn zu entflammen, die Zerstörung ohne Schonungzu vollstrecken. „Zerstöret,, zerstöret sie bis auf de» Grund", sprachensieZ. So ertheilte Nebusaradan den Befehl, die Mauern niederzu-reißen, den Tempel, die Paläste und alle schönen Häuser zu verbrennen,und der Befehl wurde gewissenhaft ausgeführt (10. — August
586^). Die noch übrig gebliebenen Schätze des Tempels, die kunstvollgearbeiteten ehernen Säulen, das eherne Meer, die Wasserwagen ausErz, die Opfer-Schalen aus Gold und Silber, die musikalischen In-strumente, alles, alles wurde in Stücke zertrümmert und nach Babylongebracht. Jerusalem war ein Trümmerhaufen geworden und der Tempel-berg die Anlage für eine Waldhöhe, wie es nicht bloß Jeremia undEzechiel zuletzt, sondern der Prophet Micha hundert und vierzig Jahrevorher verkündet hatten.
Keine der völkerbeherrscheuden Großstädte, welche von der Spitzeihres Glanzes in den Staub gesunken sind, ist in ihrem Untergangeso verherrlicht worden, wie Jerusalem. Die Poesie hat ihr schmerzens-reiches Geschick in Klageliedern, Psalmen und Gebeten mit so rührendenTönen geschildert, daß ihr jedes weichgestimmte Herz noch heute nichtdas Mitgefühl versagen kann. Die Poesie hat um ihr Haupt eineMärtyrerkrone gewunden, die sich in einen Strahlenkranz umwandelte.War es Jeremia, der zuerst auf den Trümmern Jerusaleins ein Klage-lied ausgehaucht hat, oder war es sein Jünger Baruch? Haben dannnoch zwei oder drei Dichter den Trauergesang fortgesetzt? Diese Fragewird wohl niemals beantwortet werden können. Sicher ist es, daßdie erhaltenen vier Klagelieder um den ersten Sturz der judäischenHauptstadt nicht von einem einzigen Dichter herrühren, und nicht dengleichen Inhalt haben, sondern die aufeinanderfolgenden vier Leidens-stationen bejammern. — Alle diese Klagelieder haben eine eigene Form,die Reihe der Verse folgt in alphabetischer Ordnung aufeinander b).
Ps. 137, 7.
2) Jeremia 52, 12 fg. In der Parallelst. Könige II, 25, 8 fg. ist statt deszehnten der siebente Tag angegeben, ohne Zweifel ein Fehler durch Buchstaben-verwechselung. Die Lssobito hat am neunten.
°) Hier möge kurz der Nachweis geführt werden, daß die drei Klagelieder1, 2 und 4 nicht aus derselben Zeit stammen. In 1 ist noch keine Erwähnungvon der Tempelzerstörung, im Gegentheil, der Bestand Zions wird noch voraus-