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Geschichte der Juden.
Gesichte zu sprechen: daß er beauftragt sei, ihnen im Gegensätze zuden falschen Propheten Unheil zu verkünden. Sofort erfuhr er eineharte Behandlung, sie banden ihn mit Stricken wie einen Wahnsinnigenund verwehrten ihm öffentlich zu sprechen Z. In dieser theils aufer-legten, theils freiwilligen Haft brachte er vierhundert und dreißig Tage,zu (390 und 40 Tage) und beging symbolische Handlungen, welche denZuschauern wegen ihrer Sonderbarkeit auffallen mußten. Auf einemZiegelstein bildete er die Stadt Jerusalem ab, als wenn sie sich inBelagerung befände, aß dabei grobes Brod aus verschiedenen Mehlartennur einmal des Tages und trank Wasser mit einem Maße abgemessen.Dann schor er sich Kopf- und Barthaar ab, verbrannte davon ein Drittel,schlug ein Drittel mit dem Schwerte und ließ das letzte Drittel inden Wind verwehen und band nur weniges davon ein. In der erstenZeit haben ihn wohl seine Volksgenossen, die sein Thun und Treibenbeobachtet haben, für wahnsinnig gehalten. Als er aber über die Be-deutung der symbolischen Handlungen befragt wurde, verkündete er dieBedeutung seiner Handlungsweise: daß Jerusalem in schwere Belagerunggerathen, daß die Einwohner ihr Brod zugewogen in Bangigkeit essenund ihr Wasser zugemessen in Stumpfheit trinken werden, daß dergrößte Theil des Volkes durch Feuer, Schwert und Zerstreuung inalle Winde umkommen und nur ein kleiner Rest davon übrig bleiben,daß Unglück über Unglück es treffen, das Heiligthum selbst entleihtwerden werde. Nachdem er das Alles in eindringlichen Worten erklärthatte, begann seine Umgebung zu glauben, daß er ein gottgesandterProphet sei. Die Aeltesteu suchten ihn seitdem in seinem Hause aufund richteten Fragen an ihn 2). Wie sie sich ihm näherten, waren sieschon halb gewonnen. Denn seine Beredtsamkeit, durch seine angenehmeStimme gehoben, war unwiderstehlich. Ezechiel hatte sich zwar nachJeremia gebildet, den er ohne Zweifel vor seiner Verbannung öftergehört hatte. Seine prophetischen Reden ähneln daher denen Jeremia'sinhaltlich im Großen und Ganzen; aber Ezechiel besaß eine lebhafterePhantasie und mehr dichterische Begabung als sein Musterbild. SeineReden sind daher schwungvoller gehalten, reich an Wendungen, anziehend,nicht selten künstlich angelegt und durch eingestreute Räthselsprüche,Allegorieen und Wortspiele außerordentlich spannend. Jeremia sprachkurz und dem Inhalte angemessen, den er auseinander setzen wollte;seine Bilder sind zart, seine Betrachtungen elegisch, von Wehmuth undWeichheit durchzogen, als wenn er unter Thränen gesprochen hätte.Ezechiel dagegen liebte die Ausführlichkeit; die Bilder, die er gebrauchte,
1) Vgl. Frankel-Graetz, Monatsschrift, Jg. 1874, S. 521 fg.
2) Ezechiel 8, 1.