Der Prophet Ezechiel. 345
Adlergesicht nach hinten, einem Löwengesicht rechts und einem Stier-gesicht links. Ueber den Häuptern der vier thierähnlichen Wesen er-blickte er ein Firmament aus Krystalleis ausgedehnt und darüber einenThron aus Sapphir und darauf ein Wesen, das zwar menschenähnlichschien, aber nichts Körperliches an sich hatte, sondern oberhalb wie einHeller Strahl und unterhalb wie Feuerglanz, wie Regenbogen schillerndes.Bei der Bewegung der Flügel der thierähnlichen Wesen vernahm Ezechielein betäubendes Geräusch, wie das bewegter Wasserwogen oder einesKriegslagers. In dieser vielfältigen, verwirrenden Erscheinung schienes ihm, als wenn Gott oberhalb des Thronwagens — mit unendlichvielen Augen, der Allgegenwart, mit Verstandeskraft (versinnbildlichtdurch den Menschen), mit Muth (Löwen), mit Schnelligkeit (Adlers-flug) und mit Kraft (Stier) in augenblendendem Glanze und blitzähn-lichem Schlängeln — sich ihm offenbarte nnd ihn eine Stimme vernehmenließ. Betäubt und geblendet von der gewaltigen Erscheinung fiel erzur Erde. Ein Geist erweckte ihn, richtete ihn auf und ertheilte ihmden prophetischen Beruf für „das Haus des Ungehorsams", für dastreulose Volk Israel. Er sollte zu seinen Genossen im Exile sprechen,mögen sie es hören oder nicht, damit sie es erfahren, daß ein echterProphet in ihrer Mitte aufgetreten sei. Die Stimme verkündete ihmzugleich, daß er von seinen Stammesgenossen viel Leid zu erdulden habenwerde, weil er ihnen nur Klagen, Seufzer und Jammer werde zuverkünden haben.
War die Erscheinung, die an seinem Blicke blendend und über-wältigend vorübergezogen war, eine wahrhafte Wirklichkeit oder bloßtrügerische Täuschung der Sinne? Ezechiel selbst fühlte sich dadurchzum Propheten berufen und war bereit diesem Beruf sein Leben zuweihen. Er bewährte sich in der Folge als ein echter Seher; er hat dieEreignisse, welche das Volk, den König nnd Jerusalem zermalmendtreffen sollten, im Voraus geschaut und verkündet, und seine Weissagunghat sich erfüllt. Anfangs hat aber das schauerlich erhabene Gesichtihn nicht gehoben, sondern gebrochen. Wie taumelnd kehrte er in seinHaus und zu den Verbannten in Tel-Abib zurück und saß sieben Tageentsetzt unter ihnen. Dann fing er an zu den Volksgenossen von dem
fl Ezechiel 1 , 3 . 15 . In der Schilderung des Gesichtes ist Manches dunkel.Der dunkle V. 1 , 27 ist aber leicht nach der Parallele 8 , 2 zu erklären: .irn
..1°)2V11 11,.1 1N122 li>'2i, ,2.1221 VN I22i, ,2.12 1N122: VN .1N122 1,21
Also muß auch in 1 , 27 gelesen werden: 2'22 1 °, 1.1, VN'.1N122 72 V 1.1
,2.12 nni22, also in statt i'o. Dann braucht man nicht zu der sinnlosenErklärung zu greifen wo gleich „etwas Weißes". (In den Lmsnäatioussschlägt der Vf. vor: 'v, .ini22,, 11', ii>'2ch 1202 . 1 N 122 , i'io .11 0-22 vn 1 N 122 ,)