336
Geschichte der Juden.
politischen Ereignisse bestimmt werden sollte. Welche Antwort Zedekiaden Gesandten ertheilt hat, ist nicht bekannt geworden. Bei seinemschwächlichen Charakter konnte er sicherlich zu keinem Entschlüsse kommen.Auf der eineu Seite lächelte ihm die Hoffnung auf Unabhängigkeit,und auf der andern grinste ihn die Furcht vor den Folgen an, denener sich aussetzte, wenn er den Zorn des mächtigen Königs von Babylongegen sich reizen sollte. Aber die Fürsten Juda's, die sich in hochfliegendeTräume wiegten, haben gewiß den Gesandten die befriedigende Zu-sicherung gemacht, daß sie den schwachen König für ein gemeinsamesBündniß gegen Nebukadnezar gewinnen oder dazu drängen würden.
Was gab aber den winzigen Königen von Edom, Moab undAmmon, die Nebukadnezar mit einem Fußtritte hätte zermalmen können,den Muth, so offen gegen ihn Ränke zu schmieden, und dem KönigZedekia und seinen Räthen, die Gesandten dieser Könige zu empfangenund mit ihnen die Möglichkeit einer feindlichen Haltung in's Augezu fassen und zu besprechen? Was gab gar den babylonischen Verbanntendie Kühnheit, gewissermaßen unter Nebukadnezar's Augen Widerstandgegen ihn zu predigen und den Verfall seiner Macht zu verkünden?Worauf stützte sich ihre eitle Hoffnung? Es scheint, daß Nebukadnezar,während ein Theil seines Heeres bei der Belagerung von Insel-Tyrusbeschäftigt war, einen ernstlichen Krieg gegen die Elamiter zu führenhatte. Dieses Volk, welches als außerordentlich kriegerisch und geschicktin der Handhabung der Waffen geschildert wird, war zwar nach derTheilung des assyrischen Reiches unter Medien und Babylonien demletzteren zugefallen. Aber die Herrschaft über dasselbe war nur Schein;ernstlich unterjocht konnte es nicht werden. Es kämpfte stets für seinewilde Freiheit und setzte jedem noch so mächtigen Eroberer hartnäckigenWiderstand entgegen. Um diese Freiheit zu bezwingen, scheint Nebukad-nezar in dieser Zeit Krieg gegen Elam (Elymais) geführt, vielleichtauch eine kleine Niederlage erlitten zu haben'). Zudem war der
Jeremia 49, 34 fg. enthält eine Strafandrohung gegen Elam und zwaraus der „ersten Zeit der Regierung Zedekia's". Dieselbe Zeitangabekommt auch das. 27, l vor, und bedeutet das vierte Jahr Zedekia s. o. 335Note. V. 49, 37 sagt aus: Elam wird gebrochen werden vor den Feinden unddenen, welche ihm nachtrachten, diesen Ausdruck ge-
braucht Jeremia öfter, um Nebukadnezar zu bezeichnen, 21, 7; 22, 25; 34, 20—21;44, 30; 40,26. Dieser Vers will also sagen, daß Nebukadnezar Elam besiege»und es zerstreuen werde. 8. Lanvlinsou, tbs tivs monarclüss III, zu 245 fg.,nimmt ohne Weiteres an, daß Elam oder Susiana zum babylonischen Reichegehört habe, ohne dafür einen historischen Beweis anführen zu können. Ria»kann es aber aus dem Umstand folgern, daß, da das von Juda so weit abliegende Land dem Gesichtskreise des Propheten so nahe lag, wie Aegypten,