322 Geschichte der Juden.
in ein fremdes Land schleudern, wo ihr nicht geboren seid, und dortwerdet ihr sterben" ^).
Es blieb Jojachin nicht einmal Zeit, auf eine Besserung zu sinnen,denn die Noth der Belagerung nahm überhand. Es scheint, daß Regen-Mangel diese Noth noch vermehrte?). Jojachin unterhandelte mit denbelagernden Heerführern wegen Uebergabe, da kam Nebukadnezar selbstin's Lager, und zu ihm verfügten sich der König, die Königin-Mutterund ihr Gefolge, um ihn um Gnade anzuflehen. Der Sieger übteaber keine Gnade, sondern stellte harte Bedingungen. Jojachin mußteden Thron verlassen und mit seiner Mutter, die ihn geleitet, seinenFrauen, Geschwistern und Verschnittenen in's Exil nach Babel wandern;er hatte nur hundert Tage den Thron David's eingenommen. Eswar milde genug, daß Nebukadnezar sie am Leben ließ und überhauptkein Blut vergossen hat. Er verbannte nur zehntausend Jerusalemerund verpflanzte sie nach Babylonien, darunter 7000 Krieger, 2000Personen aus allen Geschlechtern, darunter Ahroniden, Leviten undBenjaminiten, welche meistens die Hauptstadt bewohnten, und 1000 Werk-meister, welche das Waffenschmieden und den Festungsbau verstanden").Von den Judäern vom Lande führte er zur selben Zeit 3023 nachBabylon in Gefangenschaft^). Daß Nebukadnezar die Schätze desPalastes und des Tempels gebrandschatzt hat, war kein Akt besondererGewaltthätigkeit, sondern war dem damaligen Kriegsrecht gemäß.Doch ließ er das Gemeinwesen bestehen, verschonte auch die Stadtund die Mauern und ließ auch den Tempel unangetastet. Der ersteauswärtige Eroberer Jerusalems nach fast fünfhundertjährigem Be-stände verfuhr viel milder mit ihm, als viele Eroberer in den folgendenZeiten.
y Das. 22, 24 fg. Nur dieses Stück gehört in Jojachin's Zeit; das voran-gehende bezieht sich auf Jojakim.
2) Das. 14, 1—15 bezieht sich wohl auf die Belagerung unter Jojachin.
2) Das. 24, 1; 29, 1 fg. Könige II, 24, 11 fg.