Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
318
Einzelbild herunterladen
 

318

Geschichte der Juden.

Diese luden Baruch ein, in ihrer Gegenwart den die Wahrheit derProphezeiung Jeremia's bestätigenden Inhalt der Rolle nochmals vor-zulesen. Jedes Wort derselben traf schwer auf ihr Herz, sie wurdenvon Angst ergriffen. Sie beschlossen daher, dem König Kunde davonzu geben, in der Hoffnung, daß auch er davon erschüttert und bewegtwerden würde, jeden Widerstand gegen Nebukadnezar aufzugeben, umvielleicht gleich seinem Vater Josia beim Anhören des deuteronomischenGesetzbuches eine Umkehr und Besserung durchzuführen. Die Fürstenbegaben sich darauf zum Könige und machten die Meldung von demVorgänge. Im ersten Augenblicke schöpften sie Hoffnung; denn Jojakimbefahl, die Rolle zu holen, um sie sich vorlesen zu lassen. Der Königsaß, weil es kühl war, vor einem in der Mitte des Zimmers auf-gestellten, mit brennenden Kohlen gefüllten Wärmegefäß (^.ob, jetztNanAun genannt), und die Prinzen und Großen standen um ihn her.Mit gespannter Erwartung vernahmen sie die Worte der JeremianischenRolle, welche ein des Lesens kundiger Großer, Jehudi, Sohn Nethanja'svorlas. Jojakim ließ sich indeß ruhig jedes einzelne Blatt, sobald esverlesen war, reichen und warf es auf das Kohlengefäß. Mit Schreckensahen es die Großen, welche eine günstige Wirkung davon erwartethatten, und baten den König, nicht das Verhängniß herauszufordern.Er aber kehrte sich nicht daran und fuhr fort, die Blätter in's Feuerzu werfen, bis die ganze Rolle verbrannt war. Auch die dem Könignahestehenden Personen, die Königssöhne und seine Vertrauten, theiltendie Gleichgültigkeit gegen das Vernommene und schlugen die Warnungin den Wind. Ihnen ertheilte Jojakim noch dazu den Befehl, denUnheil verkündenden Propheten und seinen Jünger aufzusuchen, umihnen das Leben zu nehmen, wie er es mit dem Propheten Urijagemacht hatte. Glücklicher Weise hatten die geängstigten Großen vorherVorkehrung getroffen, Jeremia und Baruch an einem Orte zu verbergen,wo sie Niemand finden konnte. So wurden sie gerettet i).

Es war gewiß ein Tag tiefer Aufregung in Jerusalem, die großeFastenversammlung ging Wohl zwecklos auseinander. Die Vorlesungder Rolle hatte dennoch eine Wirkung gehabt; sie brachte eine Spaltungunter den Fürsten hervor. Diejenigen, welche von Jeremia's Prophezeiungüberzeugt waren und für seine Rettung Sorge getragen hatten, warenwohl entschieden für die Unterwerfung unter Nebukadnezar, und unterihnen befand sich auch der Listenführer (Sopbsr) Elischama, welcherdem Kriegswesen Vorstand. Wenn dieser und noch viele andere an-gesehene Männer des Rathes gegen den Krieg waren, so durfte ihn

Jeremia 36. S. Frankel-Graetz, Monatsschrift a. a. O.