Jeremia unter Jojakim.
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Auge schauen. So schickte er sich denn an, mit Festigkeit der ein-reißenden Verderbniß entgegenzutreten und den unvermeidlichen Unter-gang zu verkünden, obwohl sein weiches Herz dabei blutete, und er sichöfter selbst Muth zusprechen mußte, um den auf ihn eindringendenUnheilsverkündigungcn nicht zu erliegen. Jeremia war inzwischen zumManne herangereift. Er führte indessen keine Frau in sein Haus; ermochte sich nicht an häuslichen Freuden weiden, während er den voraus-geworfenen Schatten einer schweren Zeit mit banger Seele sich immermehr verdichten sah^). Einsam und düster ging er einher, nahman Geselligkeit keinen Antheil, weil der Schmerz in seinem Herzenüber die Selbstverschuldung' des Volkes ihm jede heitere Stimmungraubte 2). Er wünschte sich weit weg, in der schauerlichen Wüste zuwohnen, sein Volk verlassen zu können, die Schlechtigkeit nicht mehrmit ansehen zu müssen. Aber er konnte nicht fort, es hielt ihn miteisernen Banden fest, es brannte in seinem Innern, zu sprechen,warnen, zu ermahnen, damit das Volk nicht ungewarnt dem Untergangentgegen gehen sollte. Welch ein brennendes Gefühl für den Prophetenvon Anathoth, sprechen zu müssen und sich erbitterte Feinde zu machenvom König bis herab zum niedrigsten Volksgenossen und besondersbei seinen Standesgenossen, den Priestern und Propheten, und dasBewußtsein zu haben, daß das Wort ein leerer Schall bleibe», keineSinnesänderung herbeiführen und den Untergang nicht aufhaltenwerde! Oester ergoß sich seine traurige Seele im Tempel in stillemGebet, daß Gott das drohende Unheil doch von seinem Volke abwendenmöge, und eben so oft vernahm er in seinem prophetischen Geiste, daßsein Gebet vergeblich sei^).
Durch eine seiner ersten Reden in Jojakim's Regierungszeit zoger sich den Haß der Partei der leidenschaftlichen Götzendiener undnamentlich der Priester und falschen Propheten zu. Als eine großeVolksversammlung zur Zeit eines Festes sich mit Opfern zum Tempeleinfand, rief er ihr zu: „So spricht Gott: „„Bessert eure Wege undThaten, so werde ich euch an diesem Orte wohnen lassen. Verlasseteuch aber nicht auf die Lügenworte zu sprechen: „Tempel Gottes,
Tempel Gottes" .. . Wenn ihr Recht sprechen werdet zwischen Einemund dem Andern, Fremdlinge, Waisen und Wittwen nicht bedrücken,nicht unschuldiges Blut vergießen und nicht fremden Göttern zu euermUnheil nachgehen, so werde ich euch hier wohnen lassen. Wie, ihrwollt stehlen, morden, unkeusch leben, fremden Göttern Räucherwerk
U Jeremia 16, 2 fg.
2) Das. 8, 21; 15, 17-18.
°) Das. 7, 16; II, 14; 14, 11.