Die Propheten in Jojakim's Zeit.
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dieser entarteten Zeit einen schweren Stand und waren dem Hasse,der Verfolgung und Mißhandlung ausgesetzt. Sie achteten aber dieGefahren gering, es drängte sie unwiderstehlich, dem sittlichen undreligiösen Verfall unerschrocken entgegenzutreten. Zu keiner Zeit gabes so viele Propheten, wie in den letzten zwei Jahrzehnten vor demUntergang des judäischen Staates. Sie erblickten das Heil des Vater-landes einzig und allein in der Anhänglichkeit an Jsrael's Gott, inder Befolgung der von ihm entstammten Lehre, in der Fernhaltnngvon dem götzendienerischen Unflath und in der lauteren Gesinnung inWort und That mit ganzem Herzen und ganzem Wesen. Die Prophetensprachen fast täglich bei jeder Gelegenheit zum Volke, zu den Fürsten,zum König, mahnten, weckten, drohten und prophezeiten den Untergang,falls die Verkehrtheiten jeder Art fortdauern sollten^). Nur vierderselben sind bekannt geworden: Jeremia, Urija, Chabakkuk undEzechiel; aber es haben sich auch Prophezeiungen von Solchen er-halten, deren Namen verschollen sind. Sie alle kämpften gegen dasGötzenthum und die sittlichen Gebrechen, stellten indessen die Gestaltungder Zukunft verschieden dar, die einen hoffnungsvoll, die anderen indüsterer Farbe. Von dem Propheten Urija, Sohn Schemaja's, ausder Waldstadt (Lirjat-cksarim) ist bloß sein tragischer Tod bekanntgeworden. Er hatte im Anfang der Regierung des Königs Jojakim(zwischen 607 — 604) der Stadt Jerusalem und dem ganzen LandeUnheil und Untergang verkündet, wenn das Volk, der König und dieGroßen nicht ihre verkehrten Wege verlassen und zu Gott zurückkehrenwürden. Als Jojakim die Nachricht von dieser Unheilsprophezeiungvernahm, sandte er Boten aus, um ihn zu ergreifen und zu tödten.Indessen wurde Urija durch Gesinnungsgenossen von der ihm drohendenLebensgefahr heimlich unterrichtet und entfloh nach Aegypten. Jojakimwar aber so erbittert gegen ihn, daß er einen seiner Fürsten, Eluathan,Sohn Achbar's, mit Begleitung nach Aegypten sandte, um dessenAuslieferung zu verlangen. Elnathan brachte ihn auch wirklich nachJerusalem zurück, und Jojakim ließ ihn durch das Schwert enthauptenund seine Leiche auf den Begräbnißplatz des niederen Volkes Werfens.
Milder sprach über die Schäden der Zeit ein namenloser Prophet,von dem nur eine längere Rede geblieben ist. Er sah einen heftigenAnsturm vieler Völker gegen Jerusalem, ganz besonders von Seiten
') Jeremia 6, 17; 25, 4; 32, 33; 44, 4.
") Jeremia 26, 20—23. Dieser Passus ist ein Zusatz zu dem das. erzähltenInhalt und gehört nicht dazu. Die Zeit läßt sich dadurch bestimmen, daß Jo-jakim damals noch in Vasallenschaft zu Aegypten gestanden haben muß, alsonoch vor der Schlacht bei Kharkhemisch 604.