Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
287
Einzelbild herunterladen
 

Die Strafandrohungen im Deuteronomium. 287

Wege verharren sollten. Alle Plagen, welche das Menschenleben zurVerzweiflung bringen können, sind in diesem düsteren Bilde in er-greifender Leibhaftigkeit geschildert, Mißwachs, Hungersnoth, Wasser-mangel und Pest auf der einen, Demüthigung, Erniedrigung, drückendeSklaverei und Schmach auf der anderen Seite und durch die körperlichenund seelischen Leiden Gebrochenheit des Herzens, Wahnsinn und Stumpf-sinn.Gott wird über dich ein Volk aus der Ferne, von der ErdenEnde bringen, das rasch wie der Adler fliegt, ein Volk, dessen Sprachedu nicht verstehst, ein freches, herzverhärtetes Volk, das dir allesrauben und deine festen und hohen Städte auf die du vertraustbelagern wird. In der Noth der Belagerung, wirst du das Fleischdeiner eigenen Kinder verzehren. Die zarteste und weichste Frau, dienicht gewohnt ist, vor Verzärtelung den Fuß auf die Erde zu setzen,wird sich an dem Fleisch ihres Neugeborenen sättigen und es ihrenübrigen Kindern mißgönnen. Gott wird dich unter allen Völkern voneinem Ende zum andern zerstreuen; dort wirst du Götter von Holzund Stein anbeten, und unter den Völkern keine Ruhe haben, sondernstets ein zitterndes Herz, Seelenschmerz und Verzweiflung haben. DesMorgens wirst du vor Angst sprechen: ,,o wäre es doch schon Abend!"und des Abends:wäre es doch schon Morgen!" Auch dein König,den du dir aufstellen wirst, wird mit dir in Gefangenschaft zu einemdir unbekannten Volke geführt werden."

Dieses eigenartige Gesetzbuch mit seinen herzgewinnenden Er-mahnungen und seinem düstern Fernblick, welches der HohepriesterChilkija gefunden und dem Listenführer Schaphan vorgelesen undübergeben hatte so. S. 270), brachte dieser eilig zum König Josiaund las ihm Stellen daraus vor. Betroffen und erschüttert von derStrafandrohung, niedergeschmettert von dem Schuldbewußtsein, daß ersolche Uebertretungen, wie sie in der aufgefundenen Rolle deutlichangegeben sind, bisher geduldet hatte, zerriß der König vor Schmerzsein Gewand. Bangigkeit bemächtigte sich seines Herzens, daß dieStrafen in Erfüllung gehen könnten, welche darin über Bundesbruchverhängt werden. Selbst rathlos, ließ Josia den Hohenpriester Chilkijakommen, um mit ihm Raths zu pflegen. Auf dessen Empfehlung sandteder König ihn selbst und einige seiner Beamten und auch Achikam,Sohn Schaphans, einen Anhänger der Prophetenpartei, zu einer Fran,welche wegen ihrer prophetischen Begabung berühmt war, um sie wegender Zukunft zu befragen ^). Jeremia wurde wahrscheinlich wegen seiner

st Könige II, 22, 10 fg. Es ist zwar das. nicht angegeben, daß Hulda zurBeseitigung des Götzendienstes ermahnt habe, aber es ist selbstverständlich.