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Geschichte der Juden.
deinem ganzen Wesen und mit deiner ganzen Kraft lieben").„Was verlangt, o Israel, dein Gott von dir? Nichts weiter als ihnzu verehren, in seinen Wegen zu wandeln, ihn zu lieben, ihn anzubetenmit ganzem Herzen und ganzem Wesen" ^). Bei allen Völkern derErde war die Frömmigkeit eine Tochter der Furcht; der Schauer vordem Unsichtbar-Gewaltigen, dem rätselhaften Wesen in den Wolkenoder in den schauerlichen Plätzen hat die Kniee sinken gemacht, und dieMittel der Gottesverehrung: Altäre, Tempel, Opfer, Riten dientennur dazu, die Uebermächtigen versöhnlich und freundlich zu stimmen.Der Abstand zwischen dem Göttlichen und dem Menschen wurde nachHimmelsfernen gedacht. Das deuteronomische Gesetzbuch offenbartezuerst die Liebe zu Gott, als Beweggrund zur Frömmigkeit undSittlichkeit, und es brachte dadurch den Menschen der Gottheit näher,viel näher. Es machte das Menschenherz zum Tempel, in dem dasgöttliche Wesen verehrt sein will, und gestaltete sein Verhältniß zu ihmzu einem innigen, wie das des Sohnes zum Vater. Der Menschbraucht nicht mehr vor der Gottheit wie der Sklave vor seinem finsternHerrn zu zittern, sondern er darf sich ihm in kindlicher Freudigkeitnahen. Diese hehre Erkenntniß von der Liebe zu Gott ist eine stetigeWiederholung in der deuteronomischen Schrift^). Das Gesetz ermahnt,diese Erkenntniß von der ausschließlichen Einheit, Größe, Erhabenheitund Vorsehung Gottes sich in's Herz zu Prägen, sie sich stets gegen-wärtig zu halten, sie den Kindern lehrend einzuschärfen, auch sieäußerlich kenntlich zu machen, sie als Zeichen an die Hand zu binden,als Stirnbinde am Kopf zu tragen und endlich sie an die Pfosten desHauses und an die Eingänge der Städte aufzuzeichnen ^). Beherzigtdas Volk diese hehre Erkenntniß von seinem Gotte, so wird es ihnzum Vorbilde nehmen, Gerechtigkeit und Erbarmen üben, sich gleichihm der Verlassenen, der Waisen und Wittwen annehmen und auchden Fremdling lieben. Die höhere Tugend, die liebevolle Behandlungder Schwachen und der Fremden, ist ebenfalls eine stetige Ermahnungdieser unvergleichlichen Gesetzgebung^). Die Selbstsucht, die Herzens-verhärtung, die Verstocktheit werden aus Liebe zu Gott von selbstschwinden, das Volk werde dadurch die Vorhaut seines Herzens be-schneiden und seinen harten Nacken beugen o).
i) Deut. 6, 4—5. 2 ) Das. 10, 12.
-) Das. 11, 1. 13. 22; 13, 4; 19. 9; 30, 6. 16. 20; vergl. Josua 22, S;23, 11.
Das. 6, 4-8; 11, 18 sg.
S) Das. 10, 17—19; 16, II. 24, 19. 21—22.
°) Das. IO, 16; 30, 6.