Einfall der Scythen.
261
ortes das Leben verlor. Aber sein Sohn Kyaxares, der noch unter-nehmender und kühner als sein Vater war, beeilte sich den Tod desVaters zu rächen, sammelte ein zahlreiches Heer, das er nach denverschiedenen Waffengattungen eintheilte, fiel in Assyrien ein, schlugdas feindliche Heer und rückte vor Ninive (634). Während er aber dieassyrische Hauptstadt belagerte, ereilte ihn die Kunde, daß rauhe, wilde,häßliche Horden ohne Zahl aus den Steppen am Don, der Wolga,aus dem Kaukasus und der Nähe des Kaspisees, die wilden Scythenoder Saken slawischen Stammes, mit einem Gefolge unterjochterVölkerschaften, in Medien eingefallen waren und weit und breit zuRoß umherschweiften, raubend und plündernd, sengend und brennendund kein Menschenleben schonend. Kyaxares war dadurch gezwungen,die Belagerung von Ninive aufzuheben und sein Heer zur Sicherungseines eigenen Landes zurückzuführen. Er war aber nicht im Standedie Horden zu besiegen, sondern mußte sich ihnen unterwerfen undTribut zahlen. Dies Wandervolk der Scythen , das auf Raub undAnhäufung von Schätzen ausging, begnügte sich aber nicht mit derUnterwerfung Mediens, sondern überzog auch Assyrien mit Verheerung.Auch der assyrische König mußte sein Reich mit den zahlreichen Schätzenseiner Paläste loskaufen. Von Assyrien aus wendeten sie sich wohlwestwärts zu den reichen Städten Phöniciens, zogen dann die Meeres-küste entlang in's Philisterland (um 632), in der Absicht auch Aegyptenzu überschwemmen, dessen Reichthümer sie angezogen hatten. DerKönig Psammetich brachte ihnen reiche Schätze entgegen und bewogsie, durch flehentliche Bitten von seinem Lande abzustehen. Daraufverließ ein großer Theil der Scythen diese Gegend und zog wiedernach Norden; ein Theil derselben warf sich wohl auf Kleinasien. Einanderer Haufen blieb noch im Philisterlande, richtete da Verwüstungenan und verbrannte den Tempel der assyrischen Göttin der Unzucht,der Mylitta. Von Philistäa aus schwärmten die Scythen auch indas benachbarte Judäa, richteten auch da Verheerungen an, schlepptendie Herden der Hirten weg und verbrannten Städte und Dörfer ').Jerusalem scheinen sie aber nicht betreten zu haben, wahrscheinlichging ihnen der junge König Josia mit seinem Palastaufseher entgegenund bewog sie durch Ueberreichuug von Schätzen, die Hauptstadt zuverschonen.
Diese Schreckenszeit, in welcher stets schauerliche Gerüchte von ver-brannten Städten und grausam getödteten Menschen die Völker weitund breit mit Entsetzen erfüllten, machte in Judäa einen gewaltigen
si Das. Kap. 2, tO fg. sVgl. Meyer a. a. O. S. 555 sf.j