Rabschake vor Jerusalem.
223
diesen gegenüber im Namen Sancherib's das Wort mit einem Hoch-muthe, als wenn die Eroberung Jerusalems dem assyrischen Heereebenso leicht wäre, wie das Ansheben eines Vogelnestes. Auf deräußeren Mauer befanden sich die judäischen Krieger, welche den Ans-gang der Unterredung mit Spannung erwarteten. Um diesen denMath zu benehmen, sprach Rabschake seine frech herausfordernden Wortein hebräischer oder jndäischer Sprache, damit sie von den Zuhörernverstanden werden könnten: „Saget dem Chiskija: auf was verlässestdu dich denn? Zum Kriege gehören mehr als Worte, es gehört dazuguter Rath und Tapferkeit". Aegyptens Hilfe sei eitel: Aegyptengleiche einem geknickten Rohre, das, wenn man sich darauf stützenwollte, in die Hand fahre und sie verwunde. Aber selbst, wennAegypten Rosse liefern sollte, so gäbe es unter der judäischen Kriegs-niannschaft nicht zwei Tausend, welche als Reiter kämpfen könnten.Auf Gottes Schutz dürfte Chiskija um so weniger rechnen, als erdoch Neuerungen eingeführt und die alte Ordnung der Gottesverehrungumgestoßen habe. — Als Chiskija's Beamte Rabschake baten, dochlieber in aramäischer Sprache zu sprechen, erwiderte er, er sprächemit Absicht in der Sprache, welche die Krieger auf der Mauer ver-ständen, damit diese sich nicht von Chiskija's Verblendung bethören
lassen möchten. Um diese zu gewinnen, rief Rabschake ihnen laut zu:
sie möchten sich nicht von Chiskija beschwichtigen lassen, daß Gott sie
retten werde. „Haben denn die Götter der Länder, welche die Assyrerunterworfen haben, diese retten können?" Der Gott Israels habenicht einmal Samaria vor Assyriens König retten können ^). Rabschakeforderte die judäischen Krieger geradezu auf, ihren König im Stichezu lassen, Sancherib zu huldigen ^), zu ihm überzugehen, dann werdeer sie in ein Land führen, das ebenso fruchtbar wie Judäa sei. DasVolk oder die Krieger schwiegen beim Anhören dieser Worte. Aberals sie in Jerusalem kund wurden, verbreiteten sie Schrecken und Ent-muthigung unter alle Klassen der Bevölkerung. Chiskija veranstaltetedaher einen allgemeinen Fasttag und einen Bittgang im Tempel. Erselbst begab sich in einem Trauergewande in das Heiligthum.
Diese Gelegenheit benutzte Jesaia, um den verstockten FürstenJuda's, welche trotz der Drangsale ihre Frevel nicht abgestellt hatten,
i) Das ist der Sinn von Kön. II. 18,35; besser ausgedrückt Jesaia 36, 20:.'i'vnn ib'rn
") Das. nrnr 'nn (V. 31) kann nicht bedeuten: „machet mit mir Frieden";das Wort nr-iv hat niemals diese Bedeutung, sondern neben „Segen" auchdie „Huldigungsgeschenke" Genesis 33, 11. ^Einleuchtender ist Klostermann'sDeutung des Wortes noia — Abschied.s