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2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
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Diplomatische Winkelzüge in Jerusalem. 209

auch der letzte Grund gewesen sein mag, welcher die Räthe des KönigsChiskija, die sich sehr weise dünkten*), bewog, eine feindliche Haltunggegen Assyrien anzunehmen, sie erwies sich hinterher als eine unbegreif-liche Verblendung. Sie schlugen ganz genau denselben Weg ein,welcher ein Jahrzehnt vorher in Samaria verfolgt wurde. Sie buhltenum die Unterstützung Aegyptens, um von hier aus, wenn nicht ein zahl-reiches Heer, so doch Rosse in Menge zum Kampf gegen Assyrien zu er-langen. Selbstverständlich wurde der Plan zum Abfall von der assyrischenGroßmacht heimlich betrieben; denn die Kunde von Rüstungen, ehe sievollendet waren, hätte Unheil herbeiführen können. Die weisen Staats-männer Jnda's trieben daher ihr Werk im Dunkeln, und verhülltentief ihre Entschlüsse 2).

Aber wie tief verborgen auch der Plan gehalten wurde, er wurdevon den Propheten und ganz besonders von Jesaia durchschaut. MitChiskija's Regierungsantritt entwickelte dieser gedanken- und poesie-reiche Prophet eine unermüdliche Thätigkeit, obwohl er das sechzigsteLebensjahr bereits überschritten hatte, um die von ihm geschaute bessereZukunft anzubahnen. Nun sah er das Reich Juda durch die Verblen-dung der sich weise dünkenden Räthe auf dieselbe schiefe Ebene gerathen,welche den Sturz Ephraims herbeigeführt hatte. Er wollte seine ge-waltige Stimme dagegen erheben, aber er durfte nicht. Die Macht-haber verschlossen dem Propheten den Mundest; sie unterdrückten dieRedefreiheit, weil sonst der König und das Volk auf die Verkehrtheitder Räthe und die Gefahren, die sie heraufbeschwören könnten, ans-merksam gemacht worden wäre. Jesaia's Scharfblick durchschautedeutlich, daß die Hoffnung auf Aegyptens Hilfe sich als eitel erweisenwürde, und daß das winzige Juda von der Großmacht Assyrien er-drückt werden müßte; aber er mußte schweigen. Er wandte daher einanderes Mittel an. Die Assyrer hatten einen Kriegszug gegen dasPhilisterland unternommen, das sich ebenfalls von ihnen befreien wollte.Das Binnenland war bereits erobert, nur die Seestadt Aschdod (Azotus)behauptete sich noch. Um diese zu bezwingen, hatte sie der assyrischeKönig Sargon durch einen seiner Feldherrn, Tartan, mit Truppenbelagern lassen, weil deren Eroberung einen Zug nach Aegypten er-leichtert hätte. Drei Jahre dauerte die Belagerung Aschdods. InJerusalem folgte man dem Ausgang derselben mit gespannter Aufmerk-samkeit. Da zog Jesaia seinen härenen Prophetenmantel aus, legteseine Schuhe ab und wanderte barfuß und ohne Obergewand in den

st Jesaia 29, 14.

st Jesaia 29, 15. 30, 1 fg. 12.

st Das. 30, 10. 20 b. Das ist der Sinn von: i'-aei nn -n>' -p-' n°n.

Graetz, Geschichte der Juden. II. i. 14