Chiskijas Regierungsmanifest.
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„Das Böse mag ich nicht kennen.
„Den Verläumder seines Freundes im Geheimen„Werde ich bannen,
„Den Hochmüthigen und Herzensgeblähten mag ich nicht ertragen.„Meine Augen sind auf die Treuen im Lande gerichtet,
„Daß sie bei mir weilen.
„Wer geraden Weges wandelt,
„Ein solcher soll mir dienen.
„Nicht weilen soll in meinem Hause der Falsche,
„Der Lugredner soll vor mir nicht bestehen.
„Morgendlich will ich alle Frevler im Lande bannen,
„Zu vertilgen aus der Gottesstadt alle Uebelthäter'").
Welch ein herrliches Königsprogramm! Wenn alle Herrscher,welche doch Pfleger und Wächter des Rechts und der edlen Gesinnungsein wollen, solche Vorsätze gefaßt und ausgeführt hätten, so hättedas Böse nicht so sehr überhand nehmen können. Der judäischeThron, den Achas eingenommen hatte, war von Uebelthätern aller Art,von Gleisnern, Lug- und Trugrednern, Verläumdern, Hochmüthigenund Gierigen belagert. Alle diese Creaturen wollte Chiskija' vonseinem Throne und seinem Palaste fernhalten, dagegen die Treuenim Lande, jene zur Armuth und Niedrigkeit verdammten sanftmüthigenDulder (Anawim), um sich schaaren. Diese sollten die Beamten undHochgestellten seines Hofes sein.
Die Verarmten und Dulder, welche, weil voll heiliger Gefühleund lauterer Gesinnung, unter Achas in den Staub erniedrigt waren,konnten den Augenblick nicht erwarten, wann der vielverheißene jungeKönig sie von ihrem Elende befreien würde. Einer aus ihrer Genossen-schaft gab ihren Wünschen durch einen schönen Hymnus Ausdruck:„Jhwh!
„Deinen Rechtsspruch gieb dem Könige„Und Deine Gerechtigkeit dem Königssohn,
„Daß er richte Dein Volk mit Recht„Und Deine Dulder mit Rechtssvruch.
„Die Berge werden dem Volke Frieden tragen„Und die Hügel in Folge der Gerechtigkeit.
„Annehmen möge er sich der Dulder des Volkes,
„Retten die Söhne des Armen„Und unterdrücken den Bedrücker.
„Damit sie Dich (o Gott) verehren mit der Sonne (Aufgang)
„Und vor dem Monde von Geschlecht zu Geschlecht.
„Es träufle wie Regen auf Wiesenschur,
„Wie Regenschauer die Erde befruchtet.
„Es blühe in seinen Tagen das Recht
„Und des Friedens Fülle bis zum Verlöschen des Monds.
„Er möge herrschen von Meer zu Meer,
*) Ps. 101. S. Note 7.