Sorgfalt für Reinheit der Ehe. Jakobs Leidensstand. 167
waren ihre Schwiegertöchter; ihre reine, keusche Seele schaudertedaher vor der Unsittlichkeit der Töchter Kanaan's und sie sprach zuihrem Gatten: „Wenn Jakob von den Töchtern Cheth's wie dieseheirathen sollte, wozu soll mir das Lebens!" Ihr LieblingssohnJakob, der Erbe der Verheißung, sollte also nur aus ihrer rein ge-bliebenen Familie eine Frau heimführen. Als sie Isaak diesen Planmittheilte, kam er zu der Einsicht, daß sein Lieblingssohn, der kanaani-tische Weiber geehelicht hatte, nicht sein und seines Vaters Fortsetzerund Träger des Heils werden könne, und ertheilte Jakob freiwilligden Segen, den er ihm früher in Täuschung gegeben hattet). Esauselbst, dadurch zur Einsicht gelangt, bereute seine Vermischung mitKanaaniterinnen und nahm aus Rücksicht auf seinen Vater noch einedritte Frau hinzu aus der Familie Jsmaäl's. Aber er konnte dasGeschehene nicht mehr ungeschehen machen. Er war reich gesegnet anKindern und Enkeln, auch reich gesegnet an Gütern, zwölf idumäischeStämme gingen aus seinen Nachkommen hervor, die sich im GebirgeSe'tr ansiedelten. Sie gelangten noch lange vor den NachkommenJakob's zu ruhigem Besitz und wurden von Königen regiert^). Aberder geistige Segen fehlte Esau. Diesen sollte Jakob erringen, abererst durch einen Leidensstand.
Jakob's Lebensgang wird in der Thora unter Leiden und Prü-fungen dargestellt; er ist durchweg verschieden von dem glücklichenLebenslaufe seines Vaters. Im Alter bemerkte er seufzend: „MeineLebensjahre waren wenig und unglücklich und erreichten nicht diemeiner Vorfahren"^). Der Leidensstand, den Abraham für seine Nach-kommen in einem Gesichte geschaut hatte (o. S. 161), begann bereitsmit Jakob, er sollte Vorbild für das von ihm stammende Volk werden.Kaum hatte er eine Prüfung verschmerzt, so kam schon eine andereüber ihn. Sein Leidensstand begann mit seiner Auswanderung; ermußte das Vaterhaus und die ihn zärtlich bewachende Mutter ver-lassen und die lieblose Fremde aufsuchen, um dem Hasse seines Brudersauszuweichen, dem er nichts Böses gethan und nur etwas entzogenhatte, was diesem werthlos schien. Ehe Jakob indessen das Land derVerheißung verläßt, erscheint ihm Gott in einem bedeutungsvollenTraumgesichte und versichert ihm, daß der Segen Abraham's auf ihnund seine Nachkommen übergehen, daß er der Erbe desselben werden
*) Das. 27, 46; 26, 34—35; 28, 8.
2) Das. 28, 1 fg. In V. 3 ist angegeben, daß Isaak freiwillig den früherertheilten Segen für Jakob wiederholt hat.
Das. 33, 9; 36, 31 fg.
i) Das. 47, 9.