Abrahams Tugenden.
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In einer Art prophetischen Gesichtes wurde ihm bedeutet, daß seineNachkommen so zahlreich wie die Sterne des Himmels sein würden,und er traute dieser Verheißung, obwohl in Wirklichkeit keine Aus-sicht zur Erfüllung derselben vorhanden war. In diesem Gesichtewurde ihm auch zu erkennen gegeben, daß seine Nachkommen erstdurch gehäufte Leiden in einem fremden Lande in das Land derVerheißung einziehen würden. Drei Geschlechter werden aller Kraftund aller Selbstständigkeit beraubt werden, das vierte Geschlechtwerde so geschwächt sein, wie zarte kleine Tauben und werde demTode nah sein. Und gerade dieses so geschwächte Z vierte Ge-schlecht werde in das Land Kanaan einziehen und es in Besitz nehmenvon dem Schichor (Wady El-Arisch) bis zum Euphrat. Als sichAbraham im Gottvertrauen und in selbstloser Friedfertigkeit bewährthatte, schloß Gott ein förmliches Bündniß zu gegenseitiger Verpflich-tung mit ihm. Gott verhieß, ihn zum Stammvater zahlreicher Völkerzu machen, seinen Nachkommen das Land Kanaan zu geben und ihnenein schützender Gott zu sein. Als Gegenleistung sollte Abraham fürsein Geschlecht die Verpflichtung übernehmen, vor den Augen Gotteszu wandeln, geraden Herzens, wahrhaftig und ohne Klügelei zu handelnund als äußeres Zeichen die Beschneidung für sich und seine Nach-kommen einzuführen. Die Beschneidung sollte das äußere Zeichenfür die innere Gesinnung sein, die Verstocktheit des Herzensabzuthun^). Das Bundeszeichen vollzog Abraham sofort an sich,obwohl er beinahe hundert Jahre zählte, an seinem dreizehnjährigenSohn und an seinen Sklaven. Auch diese sollten der Bundes-Ver-heißung theilhaftig werden.
Noch zwei andere Tugenden erzählt die Thora von Abraham.Kaum sah er drei Reisende von Ferne, lief er ihnen entgegen, bat siein sein Zelt einzukehren und leistete ihnen mehr, als er versprochenhatte. Als Gegensatz zu Abrahams eifriger Gastfreundschaft veran-schaulicht die Thora die Engherzigkeit und Lieblosigkeit der Einwohnervon Sodom, Gomorrha und der andern Städte in dem paradiesischenJordankessel; sie waren äußerst engherzig ^), obwohl sie in Fülle lebten.Alle Fremden, die in ihre Nähe zogen, wurden von ihnen mißhandeltoder getödtet ^), so daß das Wehklagen der Schlachtopfer zum Himmelstieg b). Diese Städte zu zerstören hatte Gott beschlossen und theilte
') S. Note 6.
2) S. Note 6.
b) Ezechiel 16, 49-50.
Z Genesis 19, 5 fg.
Das. 18, 20-21.
Graetz, Geschichte der Juden. II. i.
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