Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

160

Geschichte der Juden.

Zuerst stellt sie Abraham's Selbstlosigkeit und Friedfertig-keit dar. Mit Abraham zugleich war sein Brudersohn Lot ausgezogen,und dieser mit den Seinigen bildeten Glieder der Familie. Auch Lotwurde durch Abraham's Genossenschaft gesegnet und hatte ebenfallszahlreiche Heerden. Zwischen Lot's und Abraham's Hirten entstandenStreitigkeiten wegen der Weideplätze, die für Beider Herden nichtmehr ausreichten, zumal inzwischen ein anderer Stamm, die Ph erisiter,in das Land Kanaan eingewandert war und Weidestriche in Anspruchgenommen hatte *). Um den Streitigkeiten ein Ende zu machen, über-ließ Abraham seinem Brudersohn die Wahl der besseren Weideplätze,obwohl er das Familienhaupt und ihm das Land verheißen war. Inselbstloser Bescheidenheit sprach er:Trenne dich von mir, wenn dulinks ziehst, so ziehe ich rechts, wenn du rechts ziehst, so ziehe ichlinks." Hader und Streit wegen irdischer Besitztümer waren Abrahamzuwider. Lot wählte die fruchtbare Gegend des südlichen Jordankesselsbis Sodom, welches damals noch einem Paradiese glich. Abrahamdagegen begnügte sich mit der weit weniger fruchtbaren Gegend vonHebron. Hier siedelte er sich an, baute einen Altar für seinen Gottund trat in ein Frenndschaftsbündniß mit drei Herdenbesitzern dieserGegend. Seinem Brndersohn Lot bewahrte er indessen dieselbe An-hänglichkeit, wie ehemals. Als Eroberer aus weiter Ferne heran-gezogen waren, diesseits und jenseits Gefangene gemacht und Beuteweggeschleppt hatten, wobei auch die Städte des fruchtbaren Jordan-kessels gelitten, und auch Lot in Gefangenschaft gerathen war, eilteAbraham zu dessen Rettung herbei, ohne die Gefahr zu achten, derer sich dabei anssetzte. Mit seinen dreihundert achtzehn Sklaven undseinen Bundesgenossen zog er den Eroberern nach, schlug sie und nahmihnen die Beute und die Gefangenen ab. Durch Abraham's Eiferwurden nicht bloß Lot und seine Leute gerettet, sondern auch diePersonen und die Beute sämmtlicher Städte des Jordankessels. DerKönig von Sodom will sich Abraham dankbar zeigen und ihm die abge-jagte Beute überlassen und verlangt nur die Personen zurück. Abrahammag aber nicht ein Trumm oder einen Schuhriemen davon für sichannehmen; nur für seine Bundesgenossen bedingt er den gebührendenAntheil. So zeigte sich Abraham in allen Lebenslagen friedfertigmit seiner Umgebung, selbstlos und aufopferungsfähig.

Abraham bekundete auch ein felsenfestes Vertrauen zu seinen:Gotte. Ihm und seinen Nachkommen war reicher Lohn verheißen,und er hatte im Alter von achtzig Jahren noch keinen Leibeserbeu.

h S. das.