158
Geschichte der Juden.
die Noachiden noch vereint waren und eine Sprache redeten, kamen sieauf einen Plan, in der Thalebene Sinear die Stadt Babel zu bauenund einen Thurm aufzurichten, der sich bis in die Wolken erhebensollte, um sich ein Denkmal zu errichten. Von Babel ging dieserkühne Trotz aus, welcher sprach: „Ich will mich zum Himmel erheben,will über den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten, will bis indie Wolken steigen und mich dem Höchsten gleichstellen" ^). Mit einemsolchen hochmüthigen gottvergessenen Trotze, kann der harmlose Wandeldes Urahnen Noah und das Bündniß mit Gott nicht bestehen; ermuß zuletzt in Zerstörungswuth ausarten. Darum sollte diese hoch-müthige Ueberhebung nicht ausgeführt werden, es gehörte zur vor-beugenden Erziehung. Durch ein einfaches Mittel vereitelte es Gotter verwirrte die Sprache der Menschen, und sie verstanden einandernicht mehr, gaben den Plan auf und entfernten sich im Raum undim Denken immer mehr von einander").
Die Erzählung der Thora verläßt, nachdem sie die Völkertafelim Ueberblick gegeben, die von Noah abstammenden Geschlechter undVölker, um sich ausschließlich mit der Geschichte Abraham's und seinerNachkommen zu beschäftigen. Sie deutet aus alten geschichtlichen Er-innerungen das Stammland an, aus dem des ersten Erzvaters Ur-ahnen ausgezogen sind. Der erste Urahn war Arpachschad, d. h.er stammte aus dem Gebirge Arrapachitis, das einst die Grenzevon Assyrien, Armenien und Medien bildete ^s. Von hier aus wardiese semitische Familie nach Ur-Chasdim im karduchischen Gebirgegezogen. Hier ward auch Abraham von Therach erzeugt. Therachverließ diese Gegend, um nach dem Lande Kanaan auszuwandern.Als er aber mil seiner Familie in Charan (Hara, Oarrims) inMesopotamien, dem Kreuzungspunkte der Karavanenstraßen, augelangtwar, beschloß er sich da dauernd anzusiedeln. An Abraham ergingaber der göttliche Ruf, dieses Land, Familie und Vaterhaus zu ver-lassen, um in ein Land zu ziehen, dessen Namen ihm erst später genanntwerden sollte.
Abraham liebte Gott^) so sehr, daß er sich nicht einen Augenblickbedachte, nicht über das ihm auferlegte Opfer klügelte, sich vielmehrmit schwerem Herzen von Stamm- und Familiengeuossen losriß und,
1) Zu Genesis 11, 4 muß man heranziehen Jesaia 14, 13 fg.
2) S. Note 6.
S. jedoch Schräder, KAT^, S. 112 u. Kautzsch bei Riehm-BaethgenI, S. 116b.)
Jesaia 41, 8 wird Abraham ausnahmsweise wnn genannt.
Man hat den Verstheil Genesis 12, I inin ie-n pinn in nicht genugbeachtet, obwohl darin der Schwerpunkt der Erzählung liegt. Die Parallele