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Geschichte der Juden.
kenntniß eingesehen hatte nnd nicht mehr auf sich selbst gestützt hi„-lebte, sondern mit Gott wandelte, so ist ihm der göttliche Wille alsGesetz kund geworden. Dieses Gesetz nahm er feierlich durch einBüudniß an. Das Bündniß enthält auf der göttlichen Seite die Ver-heißung, daß das Strafgericht der Fluth sich nicht mehr wiederholenwerde, und auf Seite Noah's die Verpflichtung für seine Nachkommenzunächst, daß das Leben der Menschen unter einander geschützt seinsoll. „Wer Blut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossenwerden." Durch den Dünkel der Menschen entstand Brudermord undKrieg Aller gegen Alle. Diese Frevelthaten sollen durch die Erziehungvermöge des Gesetzes verhindert werden. Die ganze menschliche Gesell-schaft selbst, nicht bloß die Familie, soll über die Unverletzlichkeit jedesseiner Glieder wachen, weil „der Mensch im Ebenbilde geschaffen ist".Damit ist die Grundlage für den Staat gelegt und unter göttlicheObhut gestellt. Denn Gott selbst will des vergossenen Blutes derMenschen Rächer sein, wenn die Menschen es ungeahndet lassen sollten.Dann wurde Noah noch für seine Nachkommen eingeschärft, nicht Thier-blut zu genießen, auch nicht das Fleisch mit dem Blute, „denn dasBlut ist das Seelenelement" i). Sollten die Menschen dadurch vorRohheit geschützt werden, weil der Genuß des Thierblutes den Menschenfür thierische Verwilderung und Blutdurst geneigt macht? fl.
Nach der Sündfluth wiederholten sich die Frevelthaten der Söhne.Adam's nicht mehr, oder es wird nicht von solchen erzählt, als wenn derSchrecken des grausigen Strafgerichts die nachsündfluthlichen Menschendavon zurückgehalten hätte. Die drei Söhne Noah's, Sem, Japhetund Ham (Obum) bevölkerten wieder die verödete Erde. Ihre Nach-kommen bildeten drei verschieden geartete Menschengruppen, von ihremverschiedenen Entwickelungsgang oder von den Landstrichen, in denensie sich ausbreiteten. In der Mitte, so erzählt die Thora, wohntendie Semiten von Assyrien am Tigris im Osten und Elam im Süd-osten bis nach Lydien im Westen (in Kleinasien); zu ihnen gehörtenauch die Aramäer, die Bewohner des karduchischen Gebirges(Arpachschad, die Kasdim (Chaldäers und die Stämme
auf der arabischen Halbinsel. Nördlich nnd westlich von den
fl Genesis 9, 4 fg.; dazu Leviticus 17, II fg.
fl Der Moleschott-Feuerbach'sche Satz: „Der Mensch ist, was er ißt"klingt in dieser.Allgemeinheit allerdings übertrieben, aber die Nahrungsmittel,wenn zur Gewohnheit geworden, mögen in langen Geschlechtsreihen Einfluß aufdas moralische Verhalten haben. Wenigstens scheint das Gesetz der Thora vomVerbot des Thierblutes davon auszugehen.
fl lieber die Kasdim oder Chaldäer, s. Note 6.