Die griechische, chaldäische und hebräische Schöpfungsgeschichte. 149
Phantasie in den Palästen der Könige von Babylon darzustellenpflegte, lieber dieses herrschte ein Weib Dbnltbu (Nilloätlm, ißlzstittu,die Allgebärerin?). Der Gott Bel habe das Weib in zwei gespaltenund aus der einen Hälfte die Erde, aus der andern den Himmelgemacht und auch das Licht geschaffen. Dieses Licht hätten die lln-gethüme des Chaos nicht vertragen und seien umgekommen. Als derGott Bel die Erde öde und unfruchtbar gesehen, habe er sich selbstden Kopf abgeschnitten oder einem andern Gotte befohlen, ihm denKopf abzuschlagen und aus dem ausgeflossenen Blute, gemischtmit Erde, habe dieser zweite Gott Menschen, Hausthiere und Wildgeschaffen. Bel habe auch die Sonne, den Mond und die Sterneausgestellt i).
Wie sehr sticht die hebräische Schöpfungsgeschichte gegen diegriechische und chaldäische durch Einfachheit und Erhabenheit ab! Alsim Anfang Gott Himmel und Erde erschuf, und die Erde öde und un-fruchtbar war, Finsterniß auf der Wasserfluth lagerte, und starkerWind ans dem Wasser wehte, da sprach Gott: „es werde Licht" undes ward Licht, nicht das Licht der Sonne und Sterne, sondern derallgemeine ätherische Lichtstoff-).
Und auf dieselbe Weise, durch ein einfaches Wort Gottes oderdurch seinen Willen, ist die Erde und ihre Fülle, sind der Himmel undseine Heere geschaffen worden. Sobald das Licht geschaffen war, tratdie Ordnung im Weltall ein. Das Wasser wurde getrennt, eineScheidewand, der Luftraum, bildete sich zwischen dem unteren undoberen Gewässer, dieses wurde zum sichtbaren Himmel gestaltet. Das
st Berosus bei Syncsllus. M. v. Niebuhr bemerkt mit Recht, daß in demSatz: LHlo» töörra rhv )X0)P«V x«(»n>P0^ov, statt ^olp»» ursprüng-
lich die Erde gestanden habe: aber dann muß gestanden haben «xapuox statt
-) Mit Recht bemerken die beiden taktvollen Exegeten, Rcschi und Jbn-Esra,daß n-m roam-m nicht ein Hauptsatz, sondern ein temporaler Nebensatz zumFolgenden sei. Denn sonst hätte das Wort determinirt sein müssen n-vn-m, da-gegen ist die Status-Construktusform zu den folgenden Sätzen. Dieses
einfache: „Gott sprach und es ward" hat von jeher die Bewunderung der fein-fühligen Aesthetiker auf sich gezogen. Der Rhetor Dionysius Longinusbemerkt in seiner Abhandlung über die Erhabenheit IX, 9 : „Auf dieselbe Weisehat der Gesetzgeber der Juden — kein gewöhnlicher Mensch, der die AllmachtGottes erfaßt, erkannt und verdeutlicht hat — gleich im Anfang zu den Gesetzengeschrieben: „Es sprach Gott" nach ihrer Würde. Was? „Es werde Licht, undes ward, es werde Erde, und es ward: „kb^rrv ä Oröe" Pi/al ; ^ov^aAo- PoleXlll tstoo-ro, xclt Cuvier bemerkte über die ersten Worte
der Genesis: „Eine erhabenere Stelle vom ersten bis zum letzten Wort kannund wird nie aus einer menschlichen Feder kommen, als die: „im Anfang schufGott Himmel und Erde."