Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
107
Einzelbild herunterladen
 

Stand der Sitten unter Pekach und Jotham. 107

ihre Klagen vor die Richter, so fanden sie kein Gehör, weil dieseStandesgenossen oder Mitschuldige der Räuber waren oder durch Be-stechung das Recht beugten. Es entwickelte sich dadurch jener verderb-liche Mißstand, daß angehäufter Reichthum auf der einen, verkümmerndeArmuth auf der andern Seite einander gegenüberstanden mit allenunheilvollen Folgen, welche dieser Gegensatz zu erzeugen Pflegt. Esscheint allmählich dahin gekommen zu sein, daß die Fürsten und Aeltestenausgedehnte Gütercomplexe besaßen'), die sie von Sklaven oder zuSklaven erniedrigten Armen bebauen ließen. Sie scheuten sich nicht,die Kinder der Verarmten, wenn diese ihre Schulden nicht zahlenkonnten, zu Sklaven zu machen und von ihnen die Mühle treten zulassen 2).

Diese gewaltthätige Ungerechtigkeit war mit einem andern Lasterverbunden. Die überreichen Fürsten Juda's wollten genießen, großeGelage halten, ihr Leben in rauschenden Freuden zubringen. DesMorgens frühe erhoben sie sich vom Lager zum Becher, und bis spätin die Nacht erhitzten sie sich am Wein. Und bei ihren Gelagenhatten sie rauschende Musik von Lauten, Harfen, Handpauken undFlöten. Doch das war noch ein unschuldiges Spiel gegen andereGenüsse. Der Weinrausch betäubt das Schamgefühl und erregt sinn-lichen Reiz. Aber die strenge Sitte, welche sich aus der sinaitischenGesetzgebung entwickelt hat, war eine Feindin der Unzucht. So langediese bestand, konnte die überreizte Genußsucht nicht unbeschränkt be-friedigt werden. Da kam den Fürsten Juda's das freundschaftlicheVerhältniß mit dem Zehnstämmereich zu statten. Hier, namentlich inder Hauptstadt Samaria, war der schrankenlose Lebensgenuß nicht ver-pönt, sondern gewissermaßen geheiligt und bildete einen Theil derGottesverehrung. Zum Baal- und Astartencultus gehörte dies un-züchtige Leben. Die Könige, welche auf Jerobeam II. gefolgt waren,hatten diesen Cultus nicht abgeschafft, sondern ihm öffentlich gefröhnt.Hier gab es Tempeldirnen in Menge. Im Zehnstämmereich opferteman auf den Spitzen der Berge und räucherte auf den Hügeln, undim Schatten von Eichen und Terebinthen lagerte die Unzucht. Diesehatte so sehr um sich gegriffen, daß Töchter und Schwiegertöchter nichtunbefleckt davon geblieben sind und dem Beispiele der Väter undSchwiegerväter folgten^). Hier hatten Wein und Unzucht den Sinn

') Folgt aus Jesaia 5, 8. Das Uebrige folgt aus das. 3, 14; 5, 23.

2) Das. 3, 15. Für uni-.i muß gelesen werden ';oi, ff. dagegen

Marti z. St.) wie Sprüche 27, 23 'w x-m pi' inr- als Sach-parallele Könige II, 4, 1 wiopii ii>

°) Hosea 4, 1314.