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Geschichte der Juden.
jüngeren Söhnen. Da diese Familie ihren Ursprung ebenfalls auf denGründer des judäischen Königthums zurückführte, so dünkte sie sich derKönigsfamilie ebenbürtig. Aus diesem Hause scheint der jedesmaligePalastaufseher ernannt worden zu sein, und dieser Oberbeamte be-herrschte den Hof und die Dienerschaft, erlangte allmählich so viel Ein-fluß und Macht, daß er als der maßgebende Regent angesehen wurde,die Staatsangelegenheiten leiteie, Belohnungen und Strafen austheilte,kurz eine solche Machtfülle in Händen hatte, daß der König nur herrschte,aber nicht regierte. Er führte den Titel „Verweser des Hofes"(Loohsn). Auch die Häupter der vornehmsten Familien, die „Aeltesten"Juda's maßten sich eine selbstständige Stellung an, regierten in ihremKreise nach eignem Gutdünken und kümmerten sich wenig um könig-liche Befehle. Wenn sie sich mit dem Palasthauptmann oder dem Ver-weser abgefunden hatten, so konnten sie straflos über das Volk oderdie Einsassen ihres Kreises schalten und walten. Da sie das Gerichts-wesen in Händen hatten und über Leib und Gut des Einzelnen Ent-scheidung treffen konnten, so zitterten diese vor ihnen und büßten denMannesmuth ein. Diese großen Herren, „die Fürsten Juda's," warender Krebsschaden, welcher an dem judäischen Staatsorganismus fraß.Zerfahrenheit, Laster und Mißstände, welche stets im Gefolge einerAdelsherrschaft zu sein Pflegen, rissen auch hier ein. Die Adelskasteist ihrer Natur nach herrsch- und selbstsüchtig, beutelustig und zu Er-pressungen geneigt, nm mit größeren Mitteln größere Bedürfnisse be-friedigen und ihr Ansehen behaupten zu können. Der judäische Adel,die Fürsten Juda's, waren nicht besser, aber auch nicht schlimmer,als diese bevorzugte oder auf Vorzug Pochende Kaste zu allen Zeitenwar, wenn ihrer Macht nicht von oben oder unten, von dem festeneinzelnen Willen auf dem Throne oder dem Gesammtwillen des ge-einigten Volkes Schranken gesetzt wurden.
Unter Jotham hatte das Königthum bereits seine Macht überden Hof und Landadel eingebüßt. Daraus entstanden tiefgehendeUebel. Die Fürsten Juda's trachteten vor Allem darnach sich zubereichern, die Ackerfelder, Weinberge oder Triften des Landvolkes ansich zu bringen und ihre Besitzungen auszudehnen. Einige mögen bloßdurch Härte ihre Güter vergrößert haben. In der Noth liehen sieden kleineren Ackerbesitzern Geld oder Getreide zum Leben oder alsSaatkorn, und wenn diese nicht Zahlung leisten konnten, so Pfändetensie die Felder und beraubten sie der Mittel, ihre Existenz zu fristen.Andere scheinen noch schreiendere Ungerechtigkeiten begangen zu haben.Unter nichtigen Vorwänden setzten sie sich gewaltsam in den Besitz derHäuser und Felder ihrer ländlichen Nachbarn. Brachten die Beraubten