Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
105
Einzelbild herunterladen
 

Der König Jotham und der judäische Adel. 105

von der Belagerungskunst nichts verstanden. Solche konnten von denHöhen aus durch Pfeile und Steinschleudern von Angriffen abgehaltenwerden. Aber gegen ein kriegsgeübtes und mit starken Belagerungs-mitteln versehenes Heer schien dieser Schutz nicht ausreichend. Jothamließ daher die Ostmauer widerstandsfähiger machen. Da aber derEingang zum Tempel an dieser Seite war, so mußte hier ein ge-räumiges Thor angebracht und dieses Thor selbst widerstandsfähiggemacht werden. Dieses Ostthor erhielt den Namen dasobere Thor",weil der Hügel und die Mauer an dieser Seite eine höhere Lagehatten*). Diese Mauer an der Ostseite des Tempels wurde weitersüdlich um den Hügel Ophel geführt, wahrscheinlich war dieser Stadt-theil mehr bewohnt als früher und durfte nicht mehr ohne Ver-theidigung gelassen werden. Auf dem Gebirge Juda ließ JothamStädte bauen oder vielmehr befestigen, und auf waldigen Höhen ließer Castelle und Thürme errichten ^)> Mit dem Zehnstämmereich odermit dessen König Pekach stand er auf friedlichem Fuße, ja es scheintein innigeres Bundesverhältniß zwischen beiden bestanden zu Habens.

Diese Freundschaft zwischen den beiden Reichen auf der einen unddas Aufkommen eines anspruchsvollen Adels auf der andern Seitehatten die nachtheiligsten Folgen für die Gesittung in Juda undnamentlich in der Hauptstadt. Durch unbekannte innere Vorgängewährend Jotham's Verweserschaft hatten nämlich vornehme Familienihr Haupt so hoch gehoben, daß sie fast den König überragten. DieFürsten Juda's" führten das große Wort, entschieden die wichtigstenStaatsangelegenheiten, rissen das Gerichtswesen an sich und verdunkeltenallmälig das Haus David's so vollständig, daß es fast zum Schatten-königthum herabsank ^). Neben dem König vom Hause David's bestandeine prinzliche Familie, das Haus Nathan, von einem von David's

') Könige II, 15, 35, Chronik das. 27, 3. Der Lage nach, namentlich inVerbindung mit der Befestigung des Ophel, kann unter p'bp.n r>w npir nur dasOstthor gemeint sein. sVgl. jedoch Ez. 9, 2.j. In Chronik II, 23, 20 istzwar angegeben, daß Joasch durch dieses Thor in den Palast geführt worden wäre,allein abgesehen davon, daß diese Benennung damals noch nicht existirt habenkann, so widerspricht dem die Angabe in Könige II, 11, 19, daß Joasch durchdas o'xo.n npv geführt worden ist. Identisch können beide Namen unmöglichsein. Dieses Thor scheint vielmehr identisch zu sein mit npv, Nehemia 3,29. Jedenfalls ist von diesem obern Tempel-Thore die Rede. Jerem. 20, 2:'N IL'U pHp-i pv'w NPVI NL'U rws.-m.n. Das Wort Benjamin ist ein lapsus,denn das Benjamin-Thor war ein Stadtthor, hier wird aber von einemTempel-Thor gesprochen. sS. jedoch Orelli und Duhm zu Jer. 20, 2.j

°) Chronik das. 27, 4.

°) Vgl. Note 3.

*) Vgl. Note 4.