Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
104
Einzelbild herunterladen
 

104

Geschichte der Juden.

Hirt charakterisirt,der die Herde preisgegeben, die vermißten nichtaufgesucht, die Verwundeten nicht geheilt, die Kranken nicht gepflegtund noch dazu das Fleisch der Gesunden aufgezehrt hat." Um sichgegen Angriffe von Seiten der Assyrier zu decken, trat er einem Bünd-nisse bei, welches die Herrscher der Nachbarvölker unter einander ge-schlossen hatten, um der ninivitischen Großmacht mit vereinten Kräftenbesser widerstehen zu können. Von wem die Anregung zu einer Ver-einigung ausgegangen sein mag, läßt sich nicht mit Gewißheit ermitteln,wahrscheinlich von Damaskus aus, das wieder einen König hatte NamensRezin und das dem Ungestüm eines assyrischen Erorberungszugeszuerst ausgesetzt war. Es gehörten dazu die aramäischen Fürsten-thümer Hamath und Zoba. Tyrus selbst, der Vorort des phönicischenStaates, trat Wohl ebenfalls dem Bunde bei. Möglich, daß der tyrischeKönig Elulai, welcher schon damals regiertes, in Voraussicht, daßPhönicien von Assyrien bedroht werden würde, sich an der feindlichenHaltung gegen dasselbe betheiligte. Die Insel Tyrus, welche der Haupt-standort der ein- und auslaufenden Schiffe war, wurde Wohl damalsdurch ein mächtiges Bollwerk mit Mauern und Thürmen befestigt fl.Zweifelhaft ist es, ob auch das Reich Juda dem Bündnisse gegenAssyrien beigetreten ist.

Nachdem der König dieses Landes, Usia, im Aussatzhause ge-storben war, nahm sein Sohn Jotham, welcher mehrere Jahre alsVerweser regiert hatte, den Königstitel an. Jotham (754740) besaßkeine hervorragenden Eigenschaften, war weder unternehmend, nochstaatsmännisch, sondern verharrte in den von seinem Vater gebahntenGeleisen. Im Innern scheint er den Frieden erhalten zu haben,wenigstens wird kein Zerwürfniß zwischen ihm und dem Hohenpriestergemeldet2). Aeußerlich bestanden die Machtverhältnisse fort, welcheUsia geschaffen hatte, Reiterabtheilungen, Kriegswagen, Tarschisch-Schiffe,welche die Schifffahrt auf dem Rothen Meere betrieben, Reichthum undGlanz fl. Jotham ließ Jerusalem noch mehr befestigen und zwar vonder Ostseite, wo der Tempel stand, den Moriahügel und seine Fort-setzung. Die Abdachung des Ophelfl war zwar durch das daran-stoßende Kidron-Thal gesichert und durch eine Umwallung geschützt;aber diese Wehr genügte nur gegen ungeregelte Kriegshaufen, welche

fl Nach Mcnander bei Josephus Alterth. IX, 14, 2; vgl. weiter unten,fl Zacharia 9, 3; vgl. Movers, Phönicier II, I, S. 221, 382 (u. Pietsch-mann a. a. O. S. 300 f.)fl Vgl. Chronik II. 27, 2.fl Vgl. Note 3.fl Vgl. B. I, S. 4S2.