Niedergang des Zehnstämme-Reiches. 103
mochte oder konnte, begnügte sich mit der angebotenen Abfindungs-summe und zog vom Reiche Israel ab, die Beute und die gemachtenGefangenen mit sich führend*). Das Loskanfsgeld erlegte nicht etwader König Menahem aus seinem Schatze, sondern erzwang es von denReichen; jeder derselben mußte die damals bedeutende Summe von50 Schekel (etwa 126 Mark) dazu beisteuern^).
So war denn der Anfang vom Ende eingetroffen und Amos'Prophezeihung, die er ein halbes Jahrhundert vorher deutlich aus-gesprochen hatte, ein fernes Volk werde Israeliten in ein entferntesLand weit über Damaskus hinaus vertreiben (o. S. 79), war zumTheil in Erfüllung gegangen. Die ersten Israeliten waren nach derTigris-Gegend oder in irgend ein Gebiet des großen assyrischen Reichesverpflanzt. Indessen schien das Zehnstämmereich äußerlich noch un-gebrochen. Es zählte noch 60,000 ^) Wohlhabende, welche die bedeutendeAbfindungssumme leisten konnten. Noch hatte Menahem Reiterei,Kriegsmittel und feste Städte, auf die er sich verlassen zu können ver-meinte. Allein ohne es zu merken, war das Greisenalter über dasVolk gekommen, wie ein Prophet den Zustand der eingetretenen Zer-fahrenheit so treffend bezeichnet^). Die Spaltung im Innern lösteallmählich den Fugenbau des Staates auf. Als der grausame Menahemgestorben war und sein Sohn Pekachja ihm gefolgt war (757), konntedieser sich kaum zwei volle Jahre behaupten. Sein eigener Wagen-kämpfer Pekach, Sohn Remaljahu's, zettelte eine Verschwörunggegen ihn an, tödtete ihn in seinem eigenen Palaste in Samaria (756)und warf sich zum König auf. Der Vorgang dieses Königsmordes,bereits des siebenten seit der Entstehung des Zehnstämmereiches, ist inDunkel gehüllt; es scheint, daß Pekach erst noch zwei Nebenbuhler,Argob und Arjeh^) hat beseitigen müssen, ehe er den Thron vonSamaria besteigen konnte. Drei Könige sind in einem Monat ver-tilgt worden. Fünfzig Gileaditen spielten dabei eine Rolle; es istungewiß, ob als Mitverschworene oder als Gegner Pekach's.
Der Sohn Remaljahu's, der vorletzte König von Israel (755bis 736) war ein fester, rücksichtsloser, gewaltthätiger Mann, der nochmehr als seine Vorgänger das Volk bedrückte. Er wurde als falscher
-) Das.
2) Könige II, 15, 19 — 20 imn >i-- kann hier nur bedeuten die Reichen,oder Reichsten, wie das. 24, 14; Ruth 2, 1; Hiob 21, 7: n-- o-, „sie
haben an Reichthum zugenommen''. (Ganz anders Klostermann a. a. O. v. 20.)
°) 1,000 1-2 Silber, das --- zu 3.000 Sekel — 3,000,000 Sekel, dividirtdurch 50 S. auf die Person, giebt 60,000.
*) Hosea 7. 9.
°) Vgl. Note 3.