Das alte Babylonien.
97
Als der erste Gründer des altbabylonischen Reiches wird Nimrodgenannt, von dem sich lange Zeit ein Sprichwort erhalten hat: „einHeld der Jagd wie Nimrod." Frühzeitig entstanden hier weit aus-gedehnte Städte, deren Trümmer noch heutigen Tages vorhanden sindund Staunen erregen. Zunächst Babel, das wegen seiner außer-ordentlichen Ausdehnung (9 oder 12 Meilen), seiner Mauern, seinesBelthurmes (600 Fuß hoch), seiner Paläste und seiner Handelsblüthei,n Alterthum als ein Wunderwerk galt. Nächst dieser Riesenstadt warenberühmt Erech (Orchoi, jetzt Warraka) und Kalneh (jetzt Nipur,NifforjU. Nördlich von Babel waren die Städte Sippara (8spur-u'uim) am Euphrat, bei welchem die Sage Schriften der Weisheit vonHalbgöttern vergraben sein ließ, und Kutha, südlich davon gelegen.Die alten Babylonier haben in manchen Kunstfertigkeiten die Aegypterund Phönicier noch übertroffen. Babylonische Teppiche waren weitund breit als Gegenstände der äußersten Pracht gesucht. Ihre vollendeteBaukunst erregte um so mehr Erstaunen, als sie nicht, wie die Aegypter,Baumaterial aus Steinbrüchen holen konnten, sondern es aus Back-steinen und Ziegeln anfertigen und mit Erdharz, welches ein Neben-fluß (Js) des Euphrat lieferte, befestigen mußten.
Ein bleibenderes Verdienst haben die Babylonier (später Chaldäergenannt) um die Himmels- und Sternkunde und um die genaue Ein-teilung der Zeit. Die weit ausgedehnten Ebenen ihres Landes botenin den, während des größten Theils des Jahres klaren Nächten Gelegen-heit zu Beobachtungen der Regelmäßigkeit und der Abweichungen derHimmelslichter. Kein Berg verschließt den Blicken die weite Aussicht.Babylonische Weisen haben zuerst Mond- und Sonnenfinsternisse be-rechnet und demgemäß auch voraus verkündet, zuerst den Auf- undNiedergang der Sterne und den Rundgang des Thierkreises zuerstbeobachtet. Um die Zeit mit aller Genauigkeit bestimmen zu können,mußten sie eine feste Jahresform aufstellen oder den Umlauf der Sonnemit dem des Mondes in Gleichklang setzen. Sie haben daher zuerstdie Schaltjahre eingeführt. Sie berechneten einen Cyklus von sechzigJahren (12x5, ein Lass) in welchem die Umlaufszeiten von Sonneund Mond sich einander bis auf drei Tage nähern. Auch diesen
9 UsorA« Uavlinson, bbs üvs Arsat, mouarebiss ok bbs aueieub vorlä I,x. 2V Note und p. 29, identificirt nach dem Talmud, Joma p. 10s. me: » . 1 ^ 0 ,Kalneh mit Nipur. Der Name hat sich auf zweisprachigen Tafeln erhalten undentspricht dem jetzigen Niffor. Ktesiphon, mit dem Kalneh von Targumisten undKirchenvätern identificirt wird, gehörte nicht zu Babylon, da es am Tigris lag(S. jedoch Riehm-Baethgen, Handwörterbuch der bibl. Alterthums I, 254und Schrad er-Winckler a. a. O. S. 55).
Graetz, Geschichte der Juden. II. i.
7