Die Prophezeiung vom ewigen Frieden. 89
sie schriftlich auf. Es waren die ersten Blätter der prophetischenLitteratur, welche später die stumpfen Völker der Erde aufrütteln sollte.Indem Amos, Hosea und auch Joäl in prophetischer Schau das Bildeiner besseren Zukunft in, wenn auch nur schwachen Umrissen ge-zeichnet haben, haben sie damit dem Volke, dem sie entstammten, dieZukunft gesichert. Denn ein Volk, das einer glücklichen Zukunft ent-gegensieht, ist gegen Untergang gefeit und läßt sich von der noch sograusigen Gegenwart nicht erdrücken. Einer dieser Propheten, Joeloder Hosea, hat von der Zukunft ein Bild entworfen, woran sichdie edelsten Geister festgeklammert haben und noch festklammern.
,,Und es wird sein am Ende der Tage
„Wird der Berg Gottes an der Spitze der Berge aufgerichtet
„Und höher als Bergkegel sein,
„Und Völker werden zu ihm strömen,
„Und große Völker werden wallen und sprechen:
„„Wohlan! wir wollen hinaufziehen zum Berge Gottes,
„„Zum Tempel des Gottes Jakob's,
„„Daß er uns über seine Wege belehre,
„„Daß wir in seinen Pfaden wandeln.""
„Denn von Zion wird die Lehre ausgehen,
„Und das Wort Gottes von Jerusalem.
„Er wird zwischen Völkern entscheiden
„Und mächtige Nationen in der Ferne zurechtweisen,
„Daß sie zerschlagen ihre Schwerter zu Pflugscharen„Und ihre Sperre zu WinzermesserN.
„Ein Volk wird nimmer gegen das andere das Schwert erheben„Und sie werden nicht mehr den Krieg erlernen st."
Dieses hehre Bild von dem ewigen Frieden, welcher durch dieLehre Jsrael's, von Zion ausgehend, begründet werden und die Werk-zeuge des Krieges in Hülfsmittel fruchtbarer Thätigkeit verwandelnwird, überstrahlt alle Kunstgebilde, welche das Auge und den Sinnder Menschen fesseln. Wer nicht an der Veredlung der Menschenverzweifelt, hält an dieser Hoffnung fest, daß der Tag nicht aus-bleiben werde, an dem die blutigen Kriege und die selbstmörderischeZerfleischung der Völker unter einander aufhören und friedlicher Be-schäftigung Raum geben werden. Der ewige Friede kann aber nurdurch hohe sittliche Gesinnung herbeigeführt werden und Bestand haben;Unsittlichkeit und Gewalt sind die Mütter des Krieges. Die israe-litischen Propheten haben verkündet, daß diese sittliche Gehobenheit
st Jesaias 2, 1 fg. Micha 4, 1 fg. Einige Ausleger nehmen an, daß Joel,dieses messianische Bild der Zukunft entworfen hat; wahrscheinlicher ist es aber,daß es von Hosea stammt, der auch sonst vom ewigen Frieden gesprochen unddie Wendung v'v'.i rrinur s3, bss gebraucht hat.