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Geschichte der Juden.
„Ich werde auch die Gefangenen Jsrael's wieder heimführen,
„Sie werden öde Städte aufbauen und bewohnen,
„Weinberge pflanzen und den Wein trinken,
„Gärten anbauen und die Früchte genießen.
„Ich werde sie in ihren Boden einpflanzen,
„Und sie sollen nicht mehr daraus verbannt werden/' Z
Das Waren die letzten zuknnftsfrohen Worte des großen Pro-pheten von Thekoa. Von seinem Leben und seinem Ende ist nichtsbekannt geworden.
Zur selben Zeit trat ein anderer Prophet in Jerusalem auf, vondem noch viel weniger, oder eigentlich gar nichts bekannt ist, Joöl,der Sohn Petuöl's. Die meisten Propheten traten aus dem Dunkelheraus und kehrten in das Dunkel zurück, ohne eine Spur ihrer Per-sönlichkeit zu hiuterlassen. Diese gingen in ihrem Wirken und in ihrenWerken vollständig auf. Joöl trat in der Zeit auf, als die Gemütherdurch die auf einander folgenden Unglücksfälle durch die Jdumäer undNachbarvölker, durch die andauernden Plagen des Erdbebens, derDürre und der Heuschreckenverwüstung verzagt und fast bis zur Stumpf-heit verzweifelt waren. Die Bevölkerung Jerusalems und des Landeserschöpfte sich in Fasten und Klagen, zerriß die Kleider als Zeichender Trauer, sammelte sich um den Tempel mit Wehklagen und Thränen,den göttlichen Zorn abzuwenden. Die Priester waren von derselbenVerzagtheit ergriffen, da sie nicht einmal im Stande waren, das ein-fachste Opfer aus Mehl und Wein darzubringen. Joöl hatte dahereine andere Aufgabe als Amos; er durfte nicht rügen und eifern,sondern er mußte die Gemüther aufrichten und ermuthigen und dererschlaffenden Verzweiflung steuern. Die Sünden und Verkehrtheitendes Volkes durfte er nicht aufdecken, sondern nur leise darauf Hin-weisen, nur anspielen auf die Trunkenbolde, denen der Wein fehlte,auf die äußerliche Buße, welche sich im Zerreißen der Kleider äußerteaber das Herz ungebessert ließ, auf die verkehrte Vorstellung, daß ohneOpfer die Gottheit nicht versöhnt werden könnte. Die ganze Kraftseiner Beredtsamkeit mußte Joöl anwenden, um im Volke von Judaund Jerusalem die Ueberzeugung zu erwecken, daß Gottes Gnade nichtvon ihm gewichen sei, Zion noch sein heiliger Berg bleibe, daß er seinVolk nicht der Schmach preisgeben werde, daß er langmüthig, vollerGnade sei und auch ohne Opfer und Fasten das Unglück abwenden werde.
Josl's Redekunst war vielleicht noch bedeutender als diejenigeAmos'. Seine zur Erhöhung des Eindrucks angebrachte Schilderungder Heuschreckenverwüstung und der sie begleitenden Plagen ist von
') Das. 9, II fg.