Der Prophet Amos.
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Die Jünglinge entsagten dem Meine, während die Männer und dieGreise an Gelagen bei großen Weinkrügen schwelgten. Die jugendlicheSchaar der Prophetenjünger vertrat das mahnende Gewissen. Vordem Könige und den Großen eiferten sie laut in Volksversammlungengegen den Baalkultus, die Herzensverhärtung der Reichen. Hat sieihre große Zahl vor Verfolgung geschützt? Oder waren unter denProphetenjüngern Söhne vornehmer Eltern, gegen welche Strenge nichtgut angewendet werden konnte? Oder war der König Jerobeam duld-samer als jene verruchte Jsebel, welche die Prophetenjünger zu Hundertenumbringen ließ? Oder schlug er ihre Worte in den Wind? Es istjedenfalls bemerkenswerth, daß den eifernden Jünglingen nichts zuLeide gethan wurde. Die Zecher zwangen sie nur, Wein zu trinkenund verboten ihnen das rügende WortZ. Sie haßten zwar dieseSittenrichter, welche ihre Blößen aufdeckten, aber sie verfolgten sie. nichts.
Von dieser Redefreiheit im Zehnstämmereich machte ein ProphetGebrauch, welcher die Reihe der großen, dichterischen, Gedankengehaltmit ebenmäßiger Form verbindenden Propheten eröffnet, die den Königen,den Großen und dem Volke mit schneidenden Worten die Wahrheitsagten. Es war Amos aus der Stadt Thekoa oder Eltheke^). Ergehörte nicht zu der Prophetenzunft, war nicht Prophetenjünger, trugWohl nicht ein härenes Gewand wie Eliahu, ließ sich auch Wohl nichtdas Haar lang wachsen, sondern war ein schlichter Heerdenbesitzer undPflanzer von Sykomoren^), welche in der Ebene (Lollspdsla) zahl-reich wuchsen. Während er seine Herden wartete, ergriff ihn einstder prophetische Geist so gewaltig, daß er nicht widerstehen konnte, indie Oeffentlichkeit zu treten. Gott sprach zu ihm, in ihm, wie sollteer nicht prophezeien?°) Der prophetische Geist trieb ihn, nach Bethelzu gehen, dort beim königlichen Heiligthum und in der zeitweiligenResidenz des Königs Jerobeam II. die Verkehrtheiten und Laster derGroßen zu rügen und ihnen die Folgen ihrer Missethaten vor Augenzu führen. Es muß in Bethel einiges Aufsehen erregt haben, daßein Mann vom Lande, der an seiner Tracht als Hirte kenntlich war,es wagte, öffentlich zu sprechen. Ein hoher Bildungsgrad muß da-mals auch im samaritanischen Reiche verbreitet gewesen sein, daß einHirte wohlgesetzte Reden im schönsten Ebenmaße halten konnte undvom Volke verstanden wurde, wenigstens vorausgesetzt hat, daß er ver-
') Folgt aus Amos 2, lt—12.
2) Das. 5, 10.
°) Vgl. darüber B. I. S. 402 fg.
ch Das. 7, 14.
Das. 3, 8b; 7, 15.