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Geschichte der Juden.
mit herzloser Härte deren Kleider und auch deren Personellst. Wenndie Unglücklichen in der Volksversammlung ihre Klagen über Un-gerechtigkeit erhoben, fanden sie kein Gehör, die Richter waren Mit-schuldige oder bestochen und taub gegen die Stimme des Rechtesst.Die angehäuften Schätze verpraßten die Besitzenden in täglich sichwiederholender Schwelgerei. Drastisch schildert der zeitgenössische Pro-phet Amos dieses üppige Leben der Reichen und Vornehmen unterJerobeam in den Residenzstädten: „Sie liegen auf Elfenbeinbetten undstrecken sich auf ihren Lagern, verzehren Fettschafe und junge Rindervon der Mast, klimpern auf dem Nablium, wie David haben sieSaitenspiel erdacht; sie trinken aus Krügen Wein und salben sich mitden feinsten der Oele"st. Die Weiber der Vornehmen ahmten demschlechten Beispiel ihrer Männer nach oder überboten es noch,stachelten diese zur Hartherzigkeit gegen die Armen auf und riefenihnen zu: „Bringet, bringet nur, wir wollen trinken!" st
Im israelitischen Volksthum konnte aber die sittliche Unordnungnicht so sehr um sich greifen, daß sie hätte als die Ordnung geltenund gebieten können. Die Sittlichkeit, die Gerechtigkeit und die lautereGottesverehrung hatten auch ihre Vertreter, die gegen die Verdorben-heit der Großen entschieden und immer entschiedener ihre warnendenund strafenden Stimmen erhoben und, wenn auch in unscheinbaremGewände, sich doch Gehör zu verschaffen wußten. Ein Jahrhundertwar zwar beinah abgelaufen, seitdem der Prophet Eliahu mit wallen-dem Haar gegen Achab's und Jsebel's Frevelthaten aufgetreten war,aber die von ihm zum Leben erweckte Prophetenjüngerschaft bestandnoch, um in seinem Geiste und mit seinem Eifer weiter zu wirken.Die Jugend, welche in der Regel für ideale Bestrebungen empfäng-licher ist, empfand einen Widerwillen gegen die einreißende Sitten-verderbniß und sammelte sich zahlreich um den Kern der Propheten-jünger in Bethel, Gilgal und Jericho. Die Generation, welche Elisaerzogen und belehrt hatst, nahm zwar das äußere Abzeichen derselben,die nasiräische, enthaltsame Lebensweise und das wallende Haaran, ließ es aber nicht bei dieser Aeußerlichkeit bewenden, sonderneiferte gegen die religiöse Verkehrtheit, die Ueppigkeit und die Sitten-losigkeit. Die Söhne traten als Sittenrichter gegen die Väter auf.
st Amos, 2, 6—8; 8. 4—6.st Das. 5, 7. 12.
° Das. 6, 4—6.st Das. 4, 1.
st Zwischen Elisa's Tod um 840 und Amos' Auftreten im Anfänge derRegierung Usia's 805—800 liegt nur eine Generation.