Erneuerter Götzendienst im Zehnstämmereich. 73
daß anstatt eines zwei Könige herrschten, daß der Bruch nicht ein-getreten oder die Wunden wieder geheilt seien. Jerobeam und Usiascheinen mit einander Frieden gehalten zu haben, sonst hätten beidenicht solche Erfolge erringen können. Israeliten durften ungehindertnach der geheiligten Stätte in Beerseba Wallfahrten ^). Wahrschein-lich besuchten auch Manche den Tempel in Jerusalem. Es war derletzte Schimmer einer politisch glücklichen Zeit. Denn innere Ge-brechen, welche in Folge des Wohlstandes in dem Zehnstämmereichnoch mehr als im judäischen Reich zum Vorschein kamen, machten denglücklichen Tagen bald ein Ende und beschleunigten den Verfall.
Im Zehnstämmereich dauerte nicht nur der Stierkultus in Bethelund Dan fort, sondern erhielt eine noch größere Verbreitung. InSamaria und in GilZal wurden ebenfalls Bildnisse des Stieresaufgestellt 2 ). Bethel scheint Jerobeam zur Residenz erhoben zu haben.Hier wurde das Hauptheiligthum errichtet st. Hier waltete eine ArtÖberpriester, Amazja, der auf sein Amt recht eifersüchtig war.Dieser hatte'um Bethel seine Felder, eine reiche Pfründe st, ungleichden ahronidischen Priestern in Judäa. Als hätte diese Verirrungnoch nicht genügt, oder als hätte sie die Gemüther nicht befriedigt,oder als hätte die in Folge des Reichthums eingerissene Ueppigkeiteine andere Religionsform zum Bedürfniß gemacht, fanden der häß-liche Baalkultus und die unzüchtige Astartenverehrung wieder Eingang.Hat der König selbst diese zugleich Körper und Geist aufreibende After-religion begünstigt oder sie nur geduldet? Auffallend genug ist es,daß der Kultus, den Zehn mit so vielem Eifer und mit Blut gebannthatte, unter seinem Enkel wieder in Aufnahme und Aufschwung kam.Das neueingeführte Götzenthum hatte selbstverständlich Sittenlosigkeit,Unzucht und Verderbniß im Gefolge. Um die Lüste zu befriedigen,war der Sinn nur auf Reichthum gerichtet. Die Besitzenden machtenWuchergeschäfte und trieben ihre Schuldfordernngen mit solcher Härteein, daß sie ihre verarmten und zahlungsunfähigen Schuldner oderderen Kinder zu Sklaven machten und sie als solche verkauften. Ganzbesonders trieben die Reichen Getreidewucher. In Nothjahren öffnetensie ihre Vorrathskammeru, verkauften Lebensmittel — wandten auchdabei falsches Maß und Gewicht an — und wenn die Verarmtenaußer Stande waren, das Geliehene zurückzuerstatten, so pfändeten sie
st Amos 5, 5; 8, 14.
') Das. 8, 14.
st Folgt aus Amos 7, 13.
st Das. 7, 10, 17.