Bundesgenossenschaft zwischen Achab und Josaphat. 35
Ophir, welche seit dem Tode Salomo's durch die eingetretene Schwächungeingegangen war, wieder auf. Er ließ wieder auf der Rhede eineFlotte von großen Schiffen bauen; allein ein Sturm zertrümmertedie Schiffe, und Josaphat unterließ diese kühne Unternehmung, alswenn die Gottheit sie durch den Sturm mißbilligt hätte.
Josaphat hatte wahrscheinlich den auffallenden Schritt gethan,einen Besuch in Samaria zu machen, um durch ein engeres Bündnißmit Achab sich zu stärken, und dieser benutzte die Gelegenheit, seinenköniglichen Gast zu ersuchen, ihn gegen Ben-Hadad zu unterstützen.„Willst du mit mir gegen Ramot-Gilead ziehen?" fragte Achab, undJosaphat stellte sich, sein Volk und seine Reiterei ihm zur Verfügung.Allein er wollte durch den Ausspruch eines Jhwh-Propheten gesichertsein, daß der Krieg einen günstigen Ausgang haben werde, und über-redete Achab, einen solchen zu befragen. Zu einem Baalspropheten hatteJosaphat kein Vertrauen. Aus Gefälligkeit gegen seinen Bundesgenossenging Achab darauf ein und ertheilte den Prophetenjüngern von Gilgal,Bethel und Jericho die Erlaubniß, nach Samaria zu kommen undfrei sprechen zu dürfen. Vierhundert derselben sollen sich eingefundenhaben und sämmtlich auf Achab's Befragen: „Sollen wir nach Ramot-Gilead ziehen oder es unterlassen?" wie aus einem Munde geantwortethaben: „Ziehe hinauf, und Jhwh wird es in die Hand des Königsüberliefern." Einer derselben, Zidkija, Sohn des Khenaana, setztesich zum Vorzeichen Hörner von Eisen auf und gab die Deutung dazu:„Mit solchen Hörnern wirst du die Aramäer bis zur Vernichtungstoßen." Indessen scheint Josaphat in dieser Einstimmigkeit die Auf-richtigkeit vermißt zu haben und gab zu verstehen, daß er den Ausspruchjenes Propheten Michajhu hören möchte, den Achab in Gewahrsamhielt (o. S. 32). Widerwillig ging dieser auch darauf ein und befahleinem Eunuchen, den überwachten Propheten vor den Sitz der beidenKönige zu führen. Befragt, antwortete Micha erst scheinbar wie dieübrigen Prophetenjünger: „Zieh' hinauf und sei glücklich, und Jhwhmag Ramot-Gilead in die Hand des Königs geben." Achab muß aberan dem Tone erkannt haben, daß der Spruch nicht aus der Tiefe derSeele gekommen war, und beschwor ihn, die reine Wahrheit im NamenJhwh's zu sprechen. Da wurde Micha von der prophetischen Gewaltübermannt und sprudelte, sich selbst vergessend, heraus: „Ich habe ganzIsrael zerstreut gesehen, wie eine Heerde ohne Hirten, und Jhwhsprach: „„sie haben keinen Herrn, mögen sie in ihr Haus in Friedenzurückkehren."" Seinen Widerspruch gegen die Aussage der übrigenPriester rechtfertigt Micha mit einer Bemerkung, welche einen Blickin das Wesen der Prophetie gewährt: „Ich sah (im Gesichte) den
3 *