24
Geschichte der Juden.
Baalspriestern und Astartenrasenden glaubte Jsebel das israelitischeVolk des Gottes seiner Väter zu entwöhnen und dessen völlige nationaleUmwandlung durchführen zu können. An der Spitze der phönicischenPriesterschaft stand wohl ein Oberpriester, welcher derselben Weisungenund Befehle ertheilte, wie sie zu Werke gehen sollte^. Zunächstwurden die dem Gott Israels geweihten Altäre zerstört ^) und dafürwohl andere in kanaanitischer Form aufgerichtet, mit Spitzsäulen, welcheeine schandbare Bedeutung hatten (phallische Form). Wahrscheinlichwurden auch die Altäre in Bethel und Dan auf dieselbe Weise um-gewandelt. Das opferbedürftige Volk sollte aus Mangel an eigenenAltären die Opfer auf den Stätten des Baal und der Astarte darzu-bringen gezwungen werden und sich an diesen Kultus gewöhnen.
Wie leicht ist es nicht, ein Volk, wenn die Machthaber mit Listund Gewalt darauf ausgehen, zum Aufgeben seiner Gewohnheiten undEigenthümlichkeiteu und zur Annahme des Fremden zu bewegen?Ohnehin waren die Israeliten im Zehnstämmereich durch die schonein halbes Jahrhundert dauernde Entfernung von dem geistig anregendenMittelpunkt in Jerusalem und durch die Gewöhnung au den Stier-kultus verdummt und an ihren eigenen Erinnerungen irre geworden.Die Städte waren durch den Wohlstand bereits an Verfeinerung, Ver-weichlichung und Hang zur Sinnlichkeit entartet, und diesem Hangeschmeichelte der unzüchtige Baal- und Astartenkultus nur zu sehr. DieStädter haben sich ohne Zweifel größtentheils dem neuen Kultusgefügt oder ihm wenig Widerstand entgegengesetzt. Unter diesen drangdie Umwandlung und die Entsittlichung durch. Nur etwa sieben Tausendblieben fest, knieeten nicht vor dem Baal und huldigten ihm nicht mitKüssens. Ein Theil des Volkes, darunter die Dörfler, schwankte in-deß in seinen Vorstellungen und Handlungen hin und her, wußte nicht,ob Jhwh ein mächtigerer Gott sei oder Baal^s, verehrte diesenöffentlich und jenen heimlich. Es war eine Zeit der Spannung undVerwirrung, wie sie einer geschichtlichen Neugestaltung voranzugehenPflegt. Es mußte sich zeigen, ob die uralte Ueberzeugung von demGott Israels und den Anforderungen der Heiligkeit tief genug gewurzeltwar, Lebensfähigkeit und Kraft genug besaß, den Gegensatz zu über-winden und das Fremde auszuscheiden. In einer solchen Zeit Pflegteine kräftige Persönlichkeit, in der die bessere Ueberzeugung lebendiggeworden und die von ihr ganz beherrscht ist, den Ausschlag zu geben,
1) Folgt aus Könige II, 11, 18.
2) Das. I, 19, 10; 14, folgt auch aus 18, 30.
°) Das. I, 19, 18.
4) Das. 18, 21.