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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
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Note 28. Eine eigentümliche Volkszählung.

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Agrippa, den priesterlichen Autoritäten und anderen Behörden dem Volke dieWeisung zugegangen, sich recht zahlreich zu diesem Pascha einzufinden. Schickenwir voraus, was sich von selbst versteht, daß die talmudischen Quellen undJosephus von einer und derselben Zählung am Pascha sprechen.

Aus diesen Quellen (genauer: aus diesen beiden Quellen, denn sämt-liche talmudische Nachrichten fließen aus einer und derselben Tradition undsind nur als Varianten anzusehen) ergibt sich, daß die Beteiligung außer-ordentlich stark war. Es hatte sich eine so große Menge zu diesem Pascha-opfer eingefunden, daß der Tempelberg sie kaum hat fassen können: wan ir:Ip'inv ri'.v rch. Natürlich handelte es sich doch um eine politische Demonstration,durch die dem Kaiser in Rom die Tatsache aufgedrängt werden sollte, daß Judäaeine starke Bevölkerung besitze, und daß auch außerhalb des Landes viele Ver-ehrer Jerusalems und des Tempels existierten, denen das Land der Heiligtümerkeineswegs gleichgültig sei. Es galt also als eine Ehrensache, oder richtigerals eine Pflicht für jeden, der zur Schonung des Landes und Volkes beitragenwollte, von diesem Pascha nicht fern zu bleiben. Wie Josephus im Eingängezu dieser Relation zu verstehen gibt, waren auch viele Judäer aus dem Aus-lande zu diesem Pascha herbeigeströmt *). Es ergibt sich daraus, daß nicht beijedem Pascha, wie bei diesem, eine so starke Beteiligung war, welche eben alspolitische Demonstration benutzt werden sollte.

Man darf also annehmen, daß jeder fromme oder politisch überlegte Judäer,der nicht durch Unreinheit oder sonst wie verhindert war, sich an diesem Paschabeteiligt haben wird. Die Kategorie der Entfernten (.vpirn qua) gabes dieses Mal schwerlich. Je größer die Zahl war, desto eher konnte auf einenachhaltige Wirkung der Demonstration gerechnet werden. Daher war dasGedränge bei diesem Pascha so groß, daß Menschen erdrückt wurden, und daßman es später, weil das Andenken daran lebendig geblieben ist, das Paschader Erdrückung genannt hat. Eigentlich sagt der Wortlaut nos aus,

daß mindestens mehrere erdrückt wurden. Die Angabe, daß bloß eineinziger Greis den Tod dabei gefunden habe, ist gewiß ungenau. Von selbstleuchtet ein, daß die Lesart im Talmud poipL no°> falsch ist; es muß auch dawie in der Hauptquelle, aus der die Nachricht entlehnt ist, in der Toßeftanämlich, lauten : p:ip2 noe. Damit ist auch die zuerst aus dem Talmud zitierteRelation beseitigt, als habe auch zur Zeit Hillel's ein solches p:n-v nos statt-gefunden. Dazu war damals keine Veranlassung. Nur ein einziges Malkam eine so zahlreich besuchte Paschafeier vor, zur Zeit Cestius Gallus' undAgrippas, aber weder vorher noch nachher. Die Relation über Hillel entstand(vielleicht) aus dem Faktum, daß Hillel seine Würde durch eine Entscheidungin Angelegenheit eines Pascha erlangt hat, wobei er eine Debatte führenmußte. Daher-nahm diese Quelle an, daß auch dieses Pascha so stark besuchtgewesen sei, daß man es das der Erdrückung genannt habe. Es braucht nichtweiter bewiesen zu werden, daß diese Relation sagenhaft ist.

Daß dagegen dasPascha der Erdrückung" sich zur Zeit AgrippaS oderCestius Gallus' ereignet hat, ist historisch unanfechtbar. Man kann dadurchauch das Jahr diesesPascha der Volkszählung" fixieren. Josephus erzähltnämlich von einem Paschafeste, an welchem Cestius Gallus in Jerusalem an-wesend war und an dem eine starke Volksdemonstration stattgefunden hat. DieseNachricht ist für unser Thema wichtig; daher müssen wir sie beleuchten. Jo-

*) <1/7. oi'ix

Graetz, Geschichte der Juden. III.

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