Note 24. Der politische Zelotismus der Schule Schammats. 797
blick schien ihm gekommen zu sein, daß „die Fülle der Heiden" in den Bundeingehen solle. Die Zeit erschien ihm als Anbruch der messianischen Zeit.Da aber in seinem mit pharisäischen Anschauungen und Auslegungen gefülltenKopfe das Dogma steckte, daß mit der Messiaszeit die Auferstehung eng ver-knüpft sein müsse, so war seine Christologie fertig: Jesus sei der Messias ge-wesen, und er sei auferstanden, oder vielmehr: da er die Auferstehung durchge-macht habe, so müsse er der Messias gewesen sein. Das war das Alpha undOmega der paulinischen Dogmatik und Christologie. Aber dieser Illusionkonnte er nur nachhängen, weil er die Zeit für messianisch reif hielt. Die8iKns.tui'a temparls aber war ihm die frappierende Wahrnehmung von der Zu-nahme der Proselrsten in vielen Kreisen und Ländern. Energisch rührig, wieer war, ging er mit Eifer daran, die Heidenwelt zu bekehren, um den An-bruch der Messias-Zeit zur Mittagshöhe zu führen, und wurde so der Apostelder Vorhaut.
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Der politische Zelotismirs der Schule Schammals.
Die aufgestellte Ansicht, daß die Schammalten Zeloten waren, gehört nichtzu jenen Tatsachen, die sich mit bestimmten und vollen Zitaten belegen lassen,hat darum aber doch mehr Wahrscheinlichkeit als manche Annahme, die auf demBuchstaben einer sagenhaften Notiz beruht. Man hat mir diesen Punkt streitiggemacht, obwohl er in sich selbst so viel Gewißheit trägt, daß alle diejenigen,welche mit den talmudischen Nachrichten von dem „Hause Schammals" vertrautsind, ihn sofort zugeben sollten. Ich bin daher genötigt, die Beweise dafürheranzubringen, die hoffentlich alle diejenigen, welche in den geschichtlichen Ur-kunden zwischen den Zeilen zu lesen verstehen, überzeugen werden.
1. Die Zeloten Juda b. Zippori und Matthia b. Margol oder Mar-
galot, welche die Jugend in ihren Lehrhäusern gegen den römischen Adler andem Frontispiz des Tempels ausgestachelt haben, waren Pharisäer, Auslegerdes Gesetzes riür (Jos. Altert. XVII, 6, 2—4;
jüd. Krieg I, 33, 2—3). Gehörten sie vielleicht zu den Hilleliten, zu jenenFriedenspredigern, zu jenen omu, welche persönliche und politische Be-
leidigungen mit Gleichmut annahmen, und nicht vielmehr zu jenen heftigenSchammalten, die ihre Ansicht durch Gewaltmittel zur Geltung brachten?Oder will man sich lieber eine dritte Gattung Pharisäer denken, welche vonden Hilleliten und Schammalten verschieden waren, um nur nicht einen realenBoden für geschichtliche Verhältnisse annehmen zu müssen? Man könnte sogarin Josephus' Worten, daß die beiden pharisäischen Aufwiegler am peinlichstenin den väterlichen Gesetzen waren: üoxoüprc; rä narpka
(jüd. Krieg 1. e.) die Schammalten wiedererkennen. Sämtliche Pharisäerwaren äoxuürre? rrtt ra (o. S. 694): aber die
Schammalten waren es am meisten, sie waren die ll'i'vnv, die Er-
schwerenden, Rigorosen. Zu diesen gehörten eben die Aufwiegler.
2. Noch bestimmter ergibt sich der zelotische Charakter eines Teilsder Pharisäer aus einer Relation bei Josephus, deren Tragweite er selbst nichtverstanden hat. Cr erzählt: Herodes, welcher vom ganzen Volke den Cid derTreue erzwungen und die Widerstrebenden hart gezüchtigt, habe Pollion undSameas und die meisten ihrer Anhänger (rL» ex-lro-e
Tsllekorov?) wegen ihrer Eidverweigerung aus Rücksicht auf Pollion nicht denübrigen gleich bestraft (tlmt. XV, 10, 4). An einer anderen Stelle (das.