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Geschichte der Juden.
der Jünger in Antiochien einen Beitrag zur Unterstützung der Brüder inJudäa (Jerusalem) gespendet. Die gesammelten Spenden seien durch Paulusund Barnabas den „Ältesten" in Jerusalem zugeschickt worden^). Dieserganzen Erzählung liegt die Tatsache von der Hungersnot in Judäa zu-grunde, welche die Apostelgeschichte in ihrer sagenhaften Manier auf denganzen Erdkreis ausdehut. Da angegeben ist, daß eine Sammlung veranstaltetworden sei, und daß sie die beiden Apostel nach Jerusalem überbracht hätten,so muß die Hungersnot, welche Agabus verkündet haben soll, bereits ein-getreten gewesen sein*). Nun hat sich uns chronologisch gesichert ergebendaß eine Hungersnot in Jerusalem und Judäa im Jahre 48 gewütet hat,während Tiberius Alexanders Prokuratur, während Jsmaöls Pontifikat undwährend Helenas Aufenthalt in Jerusalem (o. S. 726). Folglich hatte derVers, der Apostelgeschichte trotz seiner bodenlosen Anachronismen eine dunkleKunde davon, daß Paulus sich nicht lange vor dem Ausbruch der Hungersnotin Judäa bekehrt hat. Denn bis dahin erwähnt die Apostelgeschichte nichtsvon Paulus' Bekehrungserfolgen. Er hatte, nach ihrer Darstellung, bis dahinnur in seiner Geburtsstadt Tarsus geweilt und ist von da nach Antiochiengeholt worden. Erst nach der Zeit der Hungersnot läßt sie Paulusseine apostolischen Reisen durch Kleinasien antreten"). Die ganze Erzählungist zwar durch und durch unhistorisch, weil Paulus selbst seine Erlebnisse ganzanders erzählt. Er sei erst drei Jahre nach seiner Bekehrung nach Jerusalemgekommen, um Petrus zu sehen, und sei nur lS Tage da geblieben; von Über-bringung einer Kollekte während der Hungersnot für die notleidenden Gläubigenist keine Rede. Darauf sei er erst 14 Jahre nach seiner Bekehrung, also l I Jahrenach der ersten Reise, nach Jerusalem gekommen. Aber eine Andeutung liegt dochin der Anreihung der Tatsachen in der Apostelgeschichte, daß Paulus' Übertritt nichtgar zu lange vor dem Eintritt der Hungersnot, vor 48, erfolgt ist.
Fällt Paulus' Wandlung von einem fanatischen Verfolger des Christen-tums in einen Zeloten für dasselbe gleichzeitig mit Helenas Reise nach Judäain die vierziger Jahre, dann ist sie, die psychologisch ein Rätsel ist, erklärt.Die Reise dieser proselytischen Königin mit ihrem Gefolge und mit fünf jungenPrinzen hat ohne Zweifel großes Aufsehen unter den Judäern erregt. Helenahat gewiß auf ihrem Zuge Damaskus berührt. Die Judäer, Proselyten undProselytinnen dieser Stadt, sind ihr wohl huldigend entgegen gezogen. Schiennicht dadurch die Prophezeiung der Propheten in Erfüllung gegangen zu sein,daß Fürsten nach Jerusalem wallfahrten werden? Helenas Reise erfolgte ent-schieden unter Agrippa I., dem Freunde des Kaisers Claudius, welcher dieletzten schönen Tage über Judäa brachte. In den drei Jahren seit dem schmäh-lichen Tode Caligulas, dessen Plan, den Tempel durch ein Götzenbild zu ent-weihen, gescheitert war, bis zum Tode Agrippas, muß unter den höherge-stimmten Judäern eine hochgehende Begeisterung geherrscht Habens. Von dieserBegeisterung ist gewiß Paulus mit fortgerissen morden, und der wichtige Augen-
r) Das. II, 27—30; 12, 25.
2) Eusebius bezieht richtig die von der Apostelgeschichte erwähnte Hungers-not auf die von Josephus erzählte zur Zeit der Helena (Kirchengeschichte II,12): Er zitiert zuerst die Angabe bei Josephus und fügt hinzu, daß sie mitder Erzählung in der Apostelgeschichte übereinstimms: 4 ' ck>-
') Apostelgeschichte C. ^13—14. Vgl. den Artikel „daS Korbfest bei
Philo" Monatsschrift, Jahrg. 1877, S. 433 ff.