Note 23. Zeit d. Anwesenh. d. adiaben. Königin in Jerusalem. 795
nach Agrippas I. Tode. Denn Claudius war diesem König aus Dankbarkeit sosehr zugetan, daß er dessen Wünsche gerne befriedigte. Und Agrippa warpatriotisch und angesehen genug, die beabsichtigte Ausweisung der Judäer zuvereiteln. Mag nun die Apostelgeschichte von einem Faktum sprechen, daßAquila mit andern Judäern aus Rom vertrieben worden sei: für die Zeit vonPauli Bekehrung beweist dieses Faktum gar nichts.
Es ist also kein Schein von Beweis dafür vorhanden*), daß Paulus schonin den dreißiger Jahren seine apostolische Laufbahn begonnen hätte, weder vonder Verbannung der Judäer aus Rom, «och von Aretas, noch vom Sabbat-jahre her. Die Unwahrscheinlichkeit, wo nicht Unmöglichkeit dieser Annahme ergibtsich jedoch schon aus folgender Betrachtung. Jesus soll nach der Berechnungvon Bimsen und Keim im Jahre 35 gekreuzigt worden sein, nach Hitzig gar erstein Jahr später. Und Paulus sollte sich bereits im Jahre 34—35, noch vor JesuTode belehrt haben! Dann müßte er Jesum noch gekannt und noch vor dessenTode sich bekehrt haben? Aber Paulus wiederholt ja oft in seinen Briefen, daßer erst nach Jesu Tode zum Glauben gelangt sei. Er weiß nicht dasGeringste von Jesu Tätigkeit. Sein Fundamentaldogma war, daß Jesus hin-gerichtet und wieder auferstanden sei. Zwischen Jesu Tod und Paulus Auf-treten muß vielniehr eine längere Zeit verstrichen sein, in welcher die Jünger,die vor Schrecken bei seiner Gefangennahme und Kreuzigung die Flucht er-griffen hatten, sich in Jerusalem sammeln, sich öffentlich hervorwagen, Verdachterregen und von Paulus selbst denunziert werden konnten. Dazu gehörte mehrals ein Jahrzehnt seit Jesu Tode. Auch dieses Moment weist auf die vierzigerJahre hin.
Selbst die Apostelgeschichte in ihrer chronologischen Verworrenheit hatnoch eine Svur der Erinnerung, daß Paulus nicht lange vor der Hungersnotsich bekehrt hat. Sie erzählt von seiner Bekehrung in Damaskus, von seinerFlucht nach Jerusalem und seinem Predigen daselbst, von den Nachstellungengegen ihn von seiten der Griechen (der hellenistischen Judäer), von seiner Reisenach Tarsus unv von da nach Antiochien, wohin ihn Barnabas geholt, und daßPaulus im Verein mit Barnabas ein ganzes Jahr in Antiochien geweiltund gepredigt hätte^). Während seines Aufenthaltes in Antiochien soll einchristlicher Prophet Ngabus eine große Teuerung, die da über den „ganzenErdkreis" kommen sollte, vorausverkündet haben. Infolgedessen hätte jeder
*) I. P. Lange ist zu demselben Resultate von der Unhaltbarkeit zweierdieser Argumente gekommen. — Das dritte vom Sabbatjahr läßt er ganz un-erwähnt (Herzogs R. Enzykl, Artikel Paulus Apostel, S. 242): „Als unsicherenAnhaltspunkt übergehen wir die Herrschaft des arabischen Königs Aretas, dasZusammentreffen des Paulus mit dem Aquila in Korinth" usw. Das Argument,welches er selbst als den festesten Anhaltspunkt für den Anfang von Paulus'apostolischer Laufbahn ansstellt, ist allerdings überzeugend, gibt aber auch einanderes Datum, als Lange daraus deduziert hat. Er meint nämlich: dassicherste Dalum sei das Todesjahr des Königs Agrippa 44. Kurz vorher habeJakobus' Hinrichtung stattgefunden. Um die gleiche Zeit seien Paulus undBarnabas als Überbringer der antiochensischen Kollekte nach Jerusalem gekommen.Das letztere ist richtig, führt aber geradezu ans das Jahr 48, das Jahr derHungersnot (vgl. o. S. 787). Folglich kommt man, wenn man von diesemDatum, dem Jahr 48, rückwärts, die Zeit der Bekehrung berechnet, — selbstdie Data bei Lange zugegeben — nicht auf das Jahr 39, sondern auf dasJahr 43 sVgl. jedoch hierzu die Bemerkungen Th. Zahns a. a. O. K3 f.s.
2) Apostelgeschichte 9, 22 ff., 27—3Ü; 25—2ti.