Note 12. Das Trihäresion.
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3) Als dritte Differenz nennt Josephus die Gültigkeit der religiösen Gesetze,die nicht in der Schrift enthalten sind, welche die Saddneäer geleugnet haben.
ri/geir (auch XVtll, >, 1). Da sie auf Tradition keinen Wert legten, sohielten sie sich auch nicht in der Schriftauslegung an eine Autorität, vielmehrbetrachteten es die Jünger als ein Verdienst, wenn sie anderer Meinung alsihre Lehrer waren, mit ihnen zu disputieren (das.): /?(we -k-slaaxa-.o»?
Es untertiegt keinem Zweifel, auch wenn Josephus es nicht ausdrücklichbezeugte, daß das Trihäresion erst in Jonathans Zeit austanchte (das. 5, 9),daß die heterodoxe Opposition der Sadducäer nicht der vormakkabäischen Zeitangehört. Vor dieser Zeit konnte sich wohl durch Berührung mit dem Helle-nismus eine antijudäische Partei bilden, aber keine Mittelpartei, die ge-wissermaßen zwischen Aßidäern und Hellenisten in der Mitte stand.Hierzu kommt noch, daß das erste Makknbäerbnch die Saddneäer auch nichtmit einem Hauche andeutct, und daß Talmud und Josephus den Ausbruchder Spannung zwischen Sadducäcrn und ihren Gegnern erst in Hyrkans Zeitverlegen. Alles spricht also dafür, daß diese Opposition erst unter den Has-monäcrn sich gebildet hat und in den religiösen Zuständen dieser Zeit ihreWurzel gehabt haben mutz. Um es mit einem Worte auszusprechen: nur diedurchgreifende Reaktion gegen den antinationalen judäischsn Hellenismus konnteeine Oppositionspartei Hervorrufen, die wider allzuscharfe Übertreibungenprotestieren wollte. Die brutalen Angriffe auf das Judentum von Seiten derHellenisten und des Syrerkönigs hatten den Pharisäismus (auch wohl denEssenismus) ins Leben gerufen, und wiederum erweckte die Maßlosigkeit dervom Drucke befreiten Frömmigkeit den Sadducäismus, wie andererseits dieAusschreitungen des Sadducäismus, als er zu Macht gelangte, dem Pharisäis-mus Nahrung gab. Solche Oszillationen und Reaktionen haben sich in derNölkergeschichte schon so oft wiederholt, daß sie als ei", geschichtliches Axiom
gelten können. Die syrische Verfolgung des Judentums hat bei den Treuen
jeden frommen Brauch, jede religiöse Sitte ohne Rücksicht auf deren Be-rechtigung und Alter um so heiliger und teuerer gemacht, und was früher
bloß skrupulöse Observanz einzelner war, das wurde, weil es bedroht war,religiöse Norm für alle. Das Märtyrertum steigert nicht bloß die An-hänglichkeit an die Religion, sondern vergrößert auch den Kreis derreligiösen Observanzen. Auch die Abtrünnigkeit der Helleinsten wirkteals Faktor dabei mit; um nicht zu den Apostaten gezählt zu werden, war manum so peinlicher in der Religionsübung. Der Pharisäismus war also weiternichts, als die energische Reaktion gegen die Abtrünnigkeit von Gesetz undSitte, und stempelte alles als religiöses Gesetz, was irgend nur an dasals religiös Anerkannte anstreiste. Und das Judentum, das aus religiösenÜbungen beruht, bot der Skrupulosität ein weites Feld. Als Beispiel tönnendie Observanzen gelten, die sich an den Tempel knüpfen. Das Heiligtum,das in der pentateuchischen Gesetzgebung gegen jede levitische Verunreinigunggeschützt wird, wurde, nachdem es von den Syrern profaniert worden war, derAugapfel der Nation, von dem jeder Hauch der Verunreinigung fern gehaltenwerden sollte. Da man beim Volke die Beobachtung der vorgeschriebenen