674
Geschichte der Juden.
diese sendschriftliche Piece, ist, weil man sie als integrierenden Bestandteil vonjenem angesehen hat, in das Verdammungsurteil hineingezogen worden. Zwarist es erkannt worden, daß der Eingang nicht zum ganzen Buche gehöre, daßer sich durch seine Stilfärbung davon wesentlich unterscheide, daß er also einselbständiges literarisches Produkt bilde und von seiner Nachbarschaft nicht bloßlosgelöst werden könne, sondern müsse. Diese Scheidung hat schon Hugo Grotiusgemacht. Nichts desto weniger hat diese Piece nach dem Urteile derer, welchedie apokryphische Literatur einer kritischen Untersuchung unterzogen, das Schicksaldes zweiten Makkabäerbuches teilen müssen, selbst derer, welche sie als besonderenBestandteil behandeln.
Allein die Unechtheit dieses Einganges ist noch keineswegs über allen Zweifelerwiesen. Die Argumente, welche dafür geltend gemacht werden, sind keineswegsso durchschlagend, um ein endgültiges Resultat aufzudrängen. Eine kritischeBehandlung desselben dürfte vielleicht das Gegenteil ergeben. Grimms aus-führlicher Kommentar darüber entscheidet üie Frage keineswegs. Beweis dafürsind die schwankenden Urteile bezüglich der Grundsprache, in welcher es ur-sprünglich geschrieben war, sowie bezüglich des Zusammenhanges oder derGetrenntheit der scheinbar angedeuteten zwei Partien in demselben. Die meistenAusleger halten das Ganze, d. h. beide Teile, für griechisches Original, Berth olddagegen behauptet, beide seien ursprünglich in hebräischer oder aramäischerSprache geschrieben gewesen. Schlünkes') meint, nur die ersten neun Verseseien eine griechische Übersetzung ans einem hebräischen Original, Ewald dagegenumgekehrt: gerade diese verraten griechisches Original, alles Übrige dagegen seiÜbersetzung ans dem Hebräischen. Für das Verständnis der Einzelheiten undbesonders des historischen Wertes ist diese Frage gar nicht gleichgültig, und eswäre Sache der Kritik oder des Kommentators gewesen, sie endgültig abzuschließen.
Noch mehr tangiert wird das Urteil über die Historizität von der Schwankungbezüglich der Zusammengehörigkeit oder Getrenntheit der scheinbaren zweiPartien. Es finden sich nämlich darin, wie schon angegeben, zwei Data; daszweite Datum (V. 10): „Am Aahre 188: r'rovc lx«roa^oü o^öo^xoaro» xaeöz-cköov," ziehen einige zu den ersten 9 Versen, die andren dagegen trennen esvon diesen und verbinden es mit den folgenden Versen, alle aber trennen die54 Verse in zwei ungleiche Hälften, von denen sie die ersten 9 oder 9^ (wenndas Datum in V. 10 mitgerechnet) zur ersten Hälfte und die übrigen zurzweiten ziehen. Sie machen daraus zweierlei Sendschreiben. Nur Herzfeld(Geschichte des Volkes Israel II, 444) betrachtete beide Partien als ein ein-heitliches Ganzes; aber er hat diese seine Behauptung so wenig kritisch begründet,daß Grimm und Keil es nicht der Mühe wert hielten, näher darauf einzugehenund sie mit einem ungläubigen Fragezeichen abfertigten. Der letzte Bearbeiterdieser Partie, Wie sei er, nimmt eben so wenig Rücksicht darauf und erklärt sichdie scheinbare Inkongruenz durch eine Interpolation. Er meint: Der historischeBericht in 1, 11—17 sei ein späteres Einschiebsel, das Datum in V. 10 sei mitV. 18 und ff. zu verbinden (Theol. Studien und Kritiken, 1875, S. 625). DieseMeinungsdifferenz bezüglich eines literarischen Produktes von so wenigen Versenmacht eine erneute kritische Untersuchung nicht überflüssig.
^) Selilüulcöi-, spistolas, gnas ssenncko Llaeead d.Iibro I, 1—9 IsZItnr, sx-plieatio, Köln 1844. Dazu eine Programmschrift des Fricdr.-Wilhelm-Gymnasiumsin Köln von 1847 über die folgende» Verse.