Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Seite
640
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Juden.

640

da doch von 146132 ein scheinbar erträgliches Verhältnis zwischen Physko»und Cleopatra, zwischen Bruder und Schwester, Gatten und Gattin, bestandenhat? Authentisch ist diese Relation jedenfalls, wie schon Wesseling nachge-wiesen, da die Buhlerin Physkons, Namens Irene, von der in dieser Relationdie Rede ist, auch von Diodor erwähnt wird. Dieser Omas, welcher fürPhiloinetor und Cleopatra zusammen und für diese allein kriegerisch eintrat,war ganz ohne Zweifel jener Hohepriestersohn, Onias IV, welcher infolgedes Mißgeschickes seines Vaters noch jung nach Ägypten entflohen und vonPhilometor mit einer Ehrenstellung bedacht worden war. Auch die Pseudo-korrespondenz zwischen Onias und Philometor wegen der Errichtung des Onias-tempels deutet au, das; der Onias, welcher diesen erbaut hat, auch Kriege fürden König glücklich geführt hat (Jos. XIII. 3, I): n-v-.il«? ,-^»1«?

/?kl«? rcrklkxw? kV -rot? nar« rlv)-or?*). Der Hohepriestersohn

Onias halte also Philometor und seiner Gemahlin Cleopatra wesentliche Dienstegeleistet. Der Tochter dieser Cleopatra standen Onias Söhne Helkias undAnanias kräftig bei gegen ihren Sohn Lathurus (Lathyros), als dieser sievom Throne verdrängen wollte um 107 (das. XIII. 10, 4). Diese beidenSöhne waren bei dieser Königin Cleopatra ebenso beliebt, wie ihr Vater beiden Eltern, nach Strabos oder seines Gewährsmanns Zeugnis (das.) ckt«

rov? Trvl/r«? avrcör (rv7r Vovckaemr') LaOo-lt/tetr /rälrvr« Trance rss ^«veltvvy,

Hier haben wir Zeugnisse in Fülle und in unzwei-deutigen Wendungen, daß Onias und seine Söhne bei Philometor, seiner Ge-mahlin und deren Tochter hoch in Gunst standen, daß sie für dieselben Kriegegesührt und von ihnen zu Strategen ernannt worden sind.

Wir erfahren aber noch inehr von der Stellung Onias' unter diesemHerrscherpaar. Philometor räunite ihm den Heliopolitanischen Nomos ein,worin dieser ein Kastell und den Oniastempel erbaute (I. Kr. VII. 10, 3):

,-avv . . wüvöo^yoc. Ein Kastell zu kriegerischem Zwecke zu erbauen, erlaubt

ein König nur einem Untertanen, zn dem er großes Vertrauen hat, und derbei ihm in hoher Gunst steht. sSchutzbauten neben Tempeln waren in Ägyptenkeine Seltenheit. Vgl. die Zitate bei Kohout a. a. O. S. 706.s Zu einemPpvvH-ov gehören ferner Krieger, die es bei einem Angriffe verteidigen können.Es geht also auch schon ans diesem Umstande hervor, daß Onias, der Erbauerdes Tempels, bei dem König Philometor in hohem Ansehen gestanden habenund von ihm militärische Exemtion erhalten haben muß. In diesem Nomoswohnten Judäer und auch Priester und Leviten (Vnt. XIII. 3, 3). Das ganze

') Daß die bei Jos. das. mitgeteilte Korrespondenz zwischen Onias undPhilometer unecht ist, kann gegenwärtig als ausgemacht gelten. Unmöglichkann ein ägyptisch-griechischer König Skrupel empfunden haben, daß der Baueines judäischen Tempels auf einem unreinen und durch den Tierkultus ent-weihten Platz nach dem Gesetze des Judentums erlaubt sein sollte Der Zweckdieser Korrespondenz ist offenbar eine Apologie für den Oniastempel, daß ihmHelligkeit beigelegt werden dürfe, obwohl er auf entweihtem Boden erbaut sei,weil er von Jesaia prophetisch verkündet worden sei. Zugleich wird darinhervorgehoben, daß dieser Tempel eine Einheit des Kultus erziele, während inden cölesyrischen und phönizischen Gemeinden bezüglich des Kultus Verschieden-heit und dadurch Uneinigkeit herrsche: --«I cke«-roü-ro cköevov? «Il-sloe?. DieseKorrespondenz kann daher nur von einem Anhänger des Oniastempels fingiertworden sein.