Note 4. Die judäischen Ethnarchen oder Alabarchen in Alexandria. 631
Rolle. Sie nehmen das Judentum und seine Geschichte in Schutz, glorifizierendas Altertum des judäischen Volkes oder dieses selbst, oder dessen Lehre, dasGesetz, oder den Gesetzgeber Mose. Sie verfolgen offenbar den Zweck, Angriffegegen dieselben und Verunglimpfungen abzuwehren. Die zweite Klasse ver-fährt dagegen polemisch gegen das Heidentum, sie legt die Verworfenheitdes Götzentums und der heidnischen Unsitten bloß. Am stärksten tut diesesdie judäische Sibylle und die sapieutia. In der Mitte stehen Pseudo-Aristeasund Pseudo-Phokylides; das polemische Moment ist hier mehr versteckt. Philogehört schon zu den geharnischten Polemikern. Pssudo-Aristobulos will noch dazuden Griechen ihren Hauptvorzug, ihre Weisheit, rauben und sie dem Judentumvindizieren, als hätten sie diesem ihr bestes Teil entlehnt. Es scheint, alswenn die Polemik gegen das Heidentum, die doch wohl von Alexandrien aus-gegangen ist, erst mit der Herrschaft der Römer über Ägypten begonnen hat;dieser Zeit gehören sämtliche vollständig erhaltene Schriften an. So langedas Ptolemäische Reich, in dem doch das Heidentum die Staatsreligion war,Selbständigkeit besaß, mochten wohl die judäischen Schriftsteller es vermiedenhaben, mit ihm anzubinden.
4.
Die judäischen Etlinaechrn oder Alaliarche» i« Alexandria.
Die Alabarchensrage ist in den letzten Jahren vielfach ventiliert worden,aber zum befriedigenden Abschluß ist sie noch nicht gekommen. Schürer, derletzte, der sie behandelt hat in seinem Lehrbuch zur neutestamentlichen Zeit-geschichte S. 626 fg. und in Hilgenfelds Zeitschrift für wissenschaftliche Theo-logie 1875, S. 13—40*), hat sie keineswegs erschöpft. Er hat nur die eineSeite derselben, sozusagen die etymologische, endgiltig zum Austrag ge-bracht, was von Vorgängern bereits angedeutet oder hingeworfen worden war.Die judäisch-historische Seite dagegen, welche Bedeutung die Alabarchen-würde oder das Alabarchenamt für die ägyptischen Judäer hatte, hat er eben-sowenig klar gemacht, wie die Vorgänger. Erst wenn die historische Seite mitder etymologischen in Harmonie gesetzt sein wird, kann die Frage als gelöstangesehen werden. Versuchen wir, sie von der historischen Seite in Angriffzu nehmen.
Es ist authentisch bezeugt, daß die in Ägypten oder in Alexandrienwohnenden Judäer eine Art Oberhaupt hatten, welchem dreierlei Funktionen
*) Das. ist auch die ganze Literatur über die judäisch-alexandrinischenArchonten und Alabarchen ausgeführt. sDie neuere Literatur darüber s. das. III88, N. 3ll.j In seiner unter verändertem Titel erschienenen Geschichte desjüdischen Volkes zur Zeit Jesu (II. 550) beharrt Schürer, unbelehrt vonschlagenden Argumenten, noch immer auf seiner korrupten Ansicht, daß die Ala-barchen nichts weiter als Zollpächter gewesen wären. Er gehört zu der Koterieder protestantisch-theologischen Professoren auf kleinen Universitäten mit engemGesichtskleis und verschleiertem Blick, die nichts zulernen und nichts vergessen.Hat einmal einer aus dieser Koterie eine Absurdität gedruckt, so wird sie ge-wissenhaft zitiert und gehätschelt, und jeder Einwand dagegen von ungetansterSeite wird ignoriert und mit Vornehmtuerei abgefertigt. Diese aus begreif-licher Notlage entspringende Verhärtung gegen die Wahrheit hat Keim,Hausrath und auch Schürer zur Fälschung der neutestamentlichen Zeit-geschichte geführt.