Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Seite
616
Einzelbild herunterladen
 

616

Geschichte der Juden.

die alexandrinischen Judäer den Tag der Errettung unter diesem König alsfeiertägigen Geoenktag eingesetzt haben, hat das Apokryphen diesem Vorgang ent-lehnt, das; die 3 Tage zur Erinnerung an die Errettung (vom 5. bis z»m 7. Epiph.)seiertä üg begangen werden sollten (6, 36!: -r«?

ki^^oartroi,?. Der Verfasser scheint aber geflissentlich die Begebenheitin Philopators Zeit versetzt zu habe», statt bei der bistorischen unter Physkonzu bleiben, weil er die Entweihung des Tempels in Jerusalem hineinziehenund es als Ausgangspunkt für die beabsichtigte Verfolgung gegen die Judäerhinstellen wollte, daß Philopator nach einem Siege an der Grenze Judäasnach Jerusalem gekommen sei, das Allerheiligste betreten wollte und, weiler daran verhindert wurde, gegen die ägyptischen Judäer erzürnt gewesensei. Diese Wendung hätte für Physkons Zeit nicht gepaßt, weil dieser keinenKriegszug gegen Syrien unternommen hat, was doch den Kundigen unter denalexandrinischen Judäern bekannt war. Philopator paßte aber gut zu dieserNolle, und dadurch konnte die beabsichtigte Tempelentweihnng hineingezogenwerden, um eine Parallele zu Caligulas anbefohlener Tempelschändung herzu-stellen. Kurz, dieses Apokryphon ist ein griechisches Estherbuch, und wollte wiedas hebräische die wunderbare Errettung in der Vergangenheit als Trost fürdie Gegenwart hinstellen. Dadurch läßt sich Jahr und Jahreszeit der Abfassungdieses Buches ziemlich genau limitieren. Denn Caligulas Befehl, eine Bild-säule in das Heiligtum zu stellen, erfolgte erst Herbst 48 pcwt.. Die Trauer-botschaft von dieser intendierten Entweihung erfuhren die alexandrinischen Ge-sandten mit Philo an der Spibe erst im Winter, während ihrer Anwesenheit inRom (s. 'Note 21). Die alexandrinische Gemeinde hat es wohl ungefähr mderselben Zeit erfahren. Da nun das Buch von der Tempelsntweihung auS-geht, also der Verf. bereits Kunde von dem Vorgang in Jerusalem gehabthaben muß, so kann er sein Buch erst im Winter 40 verfaßt haben. Daß dasGanze nur eine Fiktion oder eine Tendenzschrift ist, kann kein besonnenerForscher übersehen, und wird selbst von orthodoxen Jsagogisten (Keil) zugegeben.Nichtsdestoweniger behauptet Deane die Historizität dieses Buches und nimmtan, daß das Buch der Weisheit ebenfalls zur Zeit dieser Begebenheiten verfaßtsein könnte sAuch Abrahams Isvv. t)n. Ilev. IX, 1897, S. 39- 58 meint,daß der Verf. in einigen Punkten gute Kenntnisse der wirklichen GeschichtePtolemäus Philopators besessen habe). Aber wer Augen hat zu sehen, kannnicht verkennen, daß das dritte Makkabäerbuch im ganzen und einzelnen dieKalamitäten der alexandrinischen Gemeinde unter dem Statthalter Flaccus undunter Caligula treu abspiegelt. Es ermahnt zur Standhaftigkeit im Glauben,vgl namentlich das Gebet des Priesters Eleasar (8, l14s. Zu diesemZwecke schließt das Buch so schön: ö (-vor//? '/aycryl LL? roü:.' «kt

z-y«i-au?. Denselben Schluß mit derselben Absicht hat auch das Buch derWeisheit:Gott hat sein Volk vergrößert und verherrlicht und nicht verachtetin allen Zeiten und allen Orten". Beide sind Tendenzschriften unter verschie-dener Form und an ein verschiedenes Publikum gerichtet. Das Buch der Weis-heit wendet sich an die Mächtigen der Erde, an griechische Leser, das 3. Makka-bäerbuch an die gebeugten Judäer, und namentlich an die Lauen unter ihnen.Das letztere ist noch während der Verfolgung entstanden, das Buch der Weis-heit spiegelt eher die Zeit nach Aufhören der Verfolgung ab und will einerErneuerung ähnlicher Anklagen gegen die Judäer Vorbeugen. Es ist wohl nachCaligulas Tode verfaßt, als die Selbstvergötterung dieses Kaisers allgemein alsTorheit erkannt war und gerügt werden durfte.