Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Seite
598
Einzelbild herunterladen
 

598

Geschichte der Juden.

worden sei, und anderseits, daß derselbe König, welcher den das judäischeAltertum verunglimpfenden Schriftsteller Manetho oder Pseudo-Manetbo unddessen ägyptische Geschichten begünstigt hat, auch Beförderer der Septuagintagewesen sei. Es ist ganz gleichgiltig, ob die Widmung der manethonischenSchriften an Philadelphus historisch oder sagenhaft ist (vergl. C. Müller,§raß'ineuta liiott. 6raeev. II, 51 l ff.); sie wurde als echt angesehen. Dasägyptische Altertum durfte keine» Vorzug vor dem judäischen haben, Phila--delphus mußte auch für die Männer des judäischen Schrifttums eingenommengewesen sein. Aus diesem Gefühl heraus mag dieAristeassage sich ausgebildet haben.Der König Philadelphus paßte hierzu auch darum, weil man ihn für denGründer des alexnndrinischen Museion hielt; der gelehrte Demetrius muhteebenfalls herhalten. Dem fingierten Aristeasbriefe ist es aber gelungen, daßseine Fiktion eine lange Zeit als beglaubigte Geschichte behandelt wurde. Nichtbloß in Ägypten verehrte man die Septuaginta, die Verehrung steigerte sichdurch die Kirche von Jahrhundert zu Jahrhundert immer mehr und fand auchin Palästina Anklang. R. Juda brachte sie aus Alexandrien mit, vertilgte dieAntipathie, welche man anfangs gegen sie hatte (o. S. 579), und brachte dieseso sehr in Vergessenheit, daß sie sich nur in einem halb-apokryphen Traktat er-halten konnte.

12) Aus der Konstatierung der Abfassungszeit des Pseudo-Aristeas ergibtsich noch ein anderes Resultat. Cobet und Schmidt haben nachgewiesen, daßder Vers, in der griechischen Diktion nicht heimisch war. Er schreibt unbeholfen,und gebietet durchaus nicht über den vollen Wortschatz der griechischenSprache. An zahlreichen Stellen kann er den Barbaren nicht verleugnen (Schm.S. 9). Seine Sprache ist durchweg geziert, als wollte er durch Pomp dieArmut seiner Diktion verdecken. Die Vermeidung ves Hiatus in seiner Schreib-weise, welche Schmidt festgestcllt hat, braucht nicht gerade auf seinen Umgangmit Ioniern hinzuwciscn, sondern verrät ebenfalls Gesuchtheit und ZierereisVsrgl. hierzu die Bemerkung Wendlands in der Einleitung zu seiner Über-setzung S. 4 und seine ovssi vationes K-rammatieas am Ende seiner AusgabeS. 221225). Diese ungriechische Schreibweise beweist, daß die in Ägyptenund sogar in der Hauptstadt wohnenden Judäer bis zum Anfang des erstenchristlichen Jahrhunderts in der griechischen Stilistik fremd waren, daß ihreSchriftsteller selbst da, wo sie eine griechische Maske Vornahmen, sich durchWortgebrauch und Redewendung als Fremdlinge verrieten. Bei Beurteilungder judüisch-hellenistischen Literatur darf dieses Moment nicht außer acht ge-lassen werden. Philo ist der einzige, welcher das Griechische mit tadelloserKorrektheit gebraucht. Dagegen verraten nicht bloß der jüngere Sirach, der esmit der mühsamen Arbeit der Übersetzung aus dem Hebräischen zu tun hatte,sondern auch die Verff. des zweiten und dritten Makkabäerbuches die geringeGeübtheit in der griechischen Darstellungsweise. Inkorrekt schrieben auch nochdie ällern Schriftsteller Demetrios, Eupolemos und besonders Artapan, obwohlihre Sprache durch Alexander Polyhistors Überarbeitung hin und wieder gefeilterscheint. Eine» korrekteren griechischen Stil zeigen nur das Buch der Weis-heit und das IV. Makkabäsrbuch. Daraus folgt erstens, daß die alexandriui-scheu Judäer nicht so frühzeitig, wie man gewöhnlich annimmt, griechisch ge-schrieben haben können. Hätten sie sich bereits im dritten Jahrhundert auf dieHandhabung des griechischen Stils verlegt und sich nach Mustern umgesehen,so wären sie nicht bis ins erste nachchristliche Jahrhundert Fremdlinge daringeblieben. Ihr Geschmack an der ebenmäßigen griechischen Prosa und die Eie-