Note 2. Die Entstehung der Septuaginta und der Aristeasbrief. 595
Allein sollte der Vers, nicht den Widerspruch gefühlt haben, den er damitbegeht, daß er auf der einen Seite erzählt, wie das Gesetzbuch erst unterPhiladslphus ins Griechische übersetzt worden sei, und auf der andern Seite an-gibt, daß ein Grieche ein halbes Jahrhundert vorher eS bereits benutzt habe?1Er wußte eben nicht genau, wann der Tragiker Thcodektes gelebt hat.)Woher sollte denn dieser lpdische Tragödiendichter die Kunde von dem Gesetz-buch erhalten haben, wenn es zu seiner Zeit noch nicht ins Griechische übersetztwar? Diesen kann also der Vers, unmöglich gemeint haben, und ein andererdes Namens Theodektes, welcher später gelebt hätte, ist nicht bekannt. Sollteder Verfasser etwas geradezu Unwahres ersonnen haben? Er scheint aberden judäischen Tragödiendichter Ezekielos im Sinne gehabt zu haben, vondem das biblische Drama bruchstückweise bekannt ist (Xussbius prae-
par. ovauZ-. IX, 18—2il und Olsmens, stromab. I, p. 344 fg., Note 3).Eusebius nennt diesen röv ?-«»- grade so wie der
Aristeasbrief den Theodektes. Dieser Name kann recht gut eine wört-liche griechische Übersetzung des Namens sein,
— p,n. Möglich, daß dieser Dichter wirklich einmal einige Zeit anStaar oder an einem sonstigen Augenübel gelitten hat. — Der Wechsel in derDiktion deutet auch au, daß davon wie von einer erfahrenen Tatsachegesprochen wird. Zuerst läßt der Verf. nämlich Demelrios Phalereus von derStrafe des Historikers erzählen, der das Gesetzbuch profaniert habe, und zwarin der Fassung eines ou äit: «x^xoc'xcrr. Dann läßt er Demetrios
Phalereus selbst ohne mögliche Bezweiflung hinzusügcn: von Theodekteshabe ich selbst erfahren, daß er usw. Das erster« wird bloß gerücht-weise erzählt, das andere aber von Theodektes' Augenübel sei eins Tatsache;das will die Konstruktion offenbar aussagen. Man stoße sich aber nicht andem Umstande, daß von Theodektes angegeben wird, er habe erst einen Versuchmachen wollen, während Ezekielos tatsächlich biblischen Stoff dramatisch ver-arbeitet hat. Der Ausdruck hat hierst?) die Bedeutung, „er
unternahm" d. h. hatte bereits die Ausführung begonnen, hatte bereitsein Drama mit biblischem Stoffe geschrieben, wie es Josephus auffaßt, gleichPseudo-Aristeas kann also recht gut von Ezekielos gesprochen haben.
10) Wie Theodektes nicht ein Grieche gewesen sein kann, ebensowenig derHistoriker, von dem voraufgehend erzählt wird, er habe das heilige Gesetzbuchzu profanem Zwecke mißbraucht und sei gezüchtigt worden. Für den Namendieses Autors hat die vulgäre L.-A. Theopompos, und man nimmt gewöhn-lich an, daß der Aristeasbrief von dem pessimistisch schreibenden Historiker zurZeit Alexanders und der Diadochen spreche. Allein die gute Handschrift U.(6oä. Uaris), welche Schmidt verglichen hat und ein Kodex in der St. Marc-Bibliothek, welche Lumbroso kollationiert hat, beide haben die L.-A. Lt-o-statt 6ko?ro,l?r»? fvgl. sä. Wendland zur Stelle). Auch abgesehendavon, kann der Verf. gar nicht den berühmten Theopomp gemeint haben,sonst hätte er doch ein Epitheton hinzusügen müssen und dürfte nicht einfachhinstellen xal Wie soll auch der vor
Philadelphus gestorbene Historiker aus Chios zur Benutzung des Gesetzbuchesgekommen sein? Es war ja damals noch nicht übersetzt! Der Verf. kann jabei dieser Angabe ebensowenig sich geflissentlich in einen Widerspruch ver-wickelt haben! Diesen Widerspruch will zwar der vorliegende Text ausgleichen,
ü Bei Clemens heißt er: » ridi-'/ouäeltxMx .-ror^rn;.
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