Note 2. Die Entstehung der Septuaginta und der Aristeasbrief. 593
Die Beantwortung dieser Frage wird uns einen wichtigen Aufschluß übermanche judäisch-hellenistische Literaturerscheinungen geben. Josephus zählteine Reihe von griechischen Schriftstellern auf, die das Alter des judäischenVolkes, wenn auch nur anstreifend, bekundet haben sollen. Dann fügt er hinzu:„der Phalereer Demetrios, Philo der ältere und Eupolemos haben zwargegen die Wahrheit gefehlt, es muß ihnen aber verziehen werden, da sie nichtimstande waren, mit aller Genauigkeit unfern Schriften zu folgen"). Erwill offenbar damit sagen, daß diese drei Schriftsteller, die auch über Judäergeschrieben haben, Griechen waren, und darum, weil ihnen die Ur-quellen fremd gewesen, in ihrer Darstellung die judäische Geschichte nicht ganzsachgemäß behandelt haben. Schon Huet hat die richtige Ansicht ausge-sprochen, daß Josephus offenbar den judäisch-alexandrinischen SchriftstellerDemetrios, der über die Judäer und über die Könige Judäas geschriebenhat (vergl. weiter Note 3), für einen Griechen und für identisch mit Deme-trios Phalereus gehalten hat. Und ebenso wie diesen hat er auch dieandern beiden judäischen Autoren, Philo den kltern und Eupolemos, fürGriechen gehalten, um sich auf deren Zeugnisse dafür zu berufen, daßder Vorwurf der judenfeindlichen griechischen Schriftsteller von der SorteApions, die das höhere Alter des jüdisch-israelitischen Volkes geleugnet haben,ungerecht sei.
Denselben Irrtum wie Josephus hat auch der Verf. des Aristeasbriefesbegangen, der nur ein halbes Jahrhundert vor jenem geschrieben hat. Aucher hat den Judäer Demetrios mit dem Athener Demetrios Phalereus ver-wechselt, weil dieser als Schriftsteller berühmt war. In dieser irrtümlichenAnnahme, daß Demetrios Phalereus über die Judäer eine Schrift hintcrlassenhabe, konnte er ihm eine Vorliebe für das judäische Schrifttum »indizieren.Und darum wies er ihm die Nolle zu, daß er bei dem König Philadelphus dieÜbersetzung des judäischen Gesetzbuches angeregt habe. Dieser Rolle gemäßmußte er ihn zum Bibliothekar Philadelphus' machen, unbekümmert darumoder in Unwissenheit darüber, daß dieser keineswegs Bücheraufseher gewesen undüberhaupt nicht unter Philadelphus fungiert hat, vielmehr von diesem Königebestraft worden ist. Darin haben wir den Schlüssel zu der Fabel von derEntstehung der Septuaginta auf Anregung des Demetrios Phalereus und vonder Gunst des Philadelphus. Auch diesen mutzte er anführen, weil es ihmbekannt war, daß er für die Vergrößerung der alexandrinischen BibliothekSorge getragen hat.
8) Noch auf einen andern ältern judäischen Schriftsteller weist Pseudo-Aristcas, und auch diesen hat er nicht für einen Stammesgenossen, sondern für einenÄgypter gehalten. Gleich im Eingänge läßt er Aristeas an seinen BruderPhilokrates folgendes schreiben: „Früher schon habe ich dir in bezug dessen,was ich für denkwürdig hielt, die Schrift zugeschickt, welche ich von einem dergelehrtesten Oberpriester des gelehrten Ägyptens über das Geschlecht derJudäer empfangen habe"") sGanz anders versteht Wendland (a. a. O. S. 5,vgl. Anm. (I) die Stelle). Eine Schrift von einem gelehrten ägyptischen
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Eractz. Geschichte der Juden. III.
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